{"id":135,"date":"2020-12-05T16:15:24","date_gmt":"2020-12-05T16:15:24","guid":{"rendered":"http:\/\/5seenhonig.com\/?p=135"},"modified":"2021-12-26T18:03:58","modified_gmt":"2021-12-26T18:03:58","slug":"winter-2020-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/5seenhonig.com\/?p=135","title":{"rendered":"Winter 2020 \/ 2021"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Was machen die Bienen im Winter ?<\/strong> &#8211; &#8222;Sie schlafen&#8220;, lautet die \u00fcberwiegende Antwort.<\/p>\n<p>Das ist teilweise m\u00f6glich, jedoch generell sind sie wach und hoffentlich fidel. Denn sie m\u00fcssen auch oder ganz besonders den Winter \u00fcber arbeiten, sprich heizen! Bienen orientieren sich am Licht &#8211; Tagesl\u00e4nge und Dunkelheit bestimmen u.a. ihr Verhalten. Dazu kommt nat\u00fcrlich die Au\u00dfentemperatur. Von September bis Dezember f\u00e4llt die durchschnittliche Au\u00dfentemperatur i.d.R. kontinuierlich, bis sie des nachts frostig wird. Gleichzeitig nimmt die Tagesl\u00e4nge ab, bis sie zum 21.12. jeden Jahres ihr Minimum erreicht hat. Das macht sich ganz besonders hier im Norden bemerkbar, wo es um die Weihnachtszeit erst um 8:30 richtig hell wird und schon um 16:30 wieder d\u00e4mmrig.<\/p>\n<p>Bienenv\u00f6lker beginnen sich schon nach der Sommersonnenwende Ende Juni auf den Winter vorzubereiten. Dazu verkleinern sie das Brutgesch\u00e4ft und ordnen ihre Vorr\u00e4te. Im August bis Oktober\/November werden trotz Reduktion des Brutnests fortlaufend gut gen\u00e4hrte Winterbienen erzeugt, denen die Aufgabe zukommt, die K\u00f6nigin und sich selbst \u00fcber den Winter zu bringen.<\/p>\n<p>Jetzt ist die Zeit, wo die Futtervorr\u00e4te gut geordnet werden, d.h., sie werden rund um das immer kleiner werdende Brutnest eingelagert. Damit hat das Volk im Winter bei Temperaturen unter 0 \u00b0C schnelleren Zugriff auf den Vorrat.<\/p>\n<p>N\u00e4hern sich die Au\u00dfentemperaturen dauerhaft dem Gefrierpunkt, stellt das Volk i.d.R. das Br\u00fcten ein. Weitere Brutaufzucht w\u00fcrde einen Bereich mit einer Temperatur von 35 \u00b0C erfordern &#8211; das ist zu energieaufw\u00e4ndig.<\/p>\n<p><strong>Wo haben die Bienen die Heizung ?<\/strong><\/p>\n<p>Die Bienen r\u00fccken im Winter immer n\u00e4her zusammen, bis sie eine sog. Traube in den Wabengassen bilden. Der Bienensitz nimmt damit eine fast kugelige Form ein und sch\u00fctzt sich so vor W\u00e4rmeverlust. Er heizt dabei nur sich selbst, nicht die umgebenden Waben oder die Bienenbeute. Dabei isolieren die H\u00fcllbienen der Kugelform so gut, dass kaum W\u00e4rme verloren geht. Sie wechseln sich ab und zu ab, kriechen nach innen, wo es w\u00e4rmer ist und andere \u00fcbernehmen die H\u00fcllfunktion. Im inneren Bereich dieser Traube sitzen Jungbienen und die K\u00f6nigin bei 15 bis 20 \u00b0C, w\u00e4hrend im Au\u00dfenh\u00fcllbereich gerade mal 5 \u00b0C herrschen. W\u00e4rme wird erzeugt, indem Bienen ihre Brutmuskulatur in Bewegung halten, ohne dabei die Fl\u00fcgel zu bewegen &#8211; es brummt in der Kiste, solange ausreichend Individuen in der Traube sind &#8230;<\/p>\n<p>Hat das Bienenvolk z.B. weniger als 5.000 Bienen, wird die Situation kritisch, besonders wenn es drau\u00dfen dauerhaft sehr frostig wird. Geh\u00f6ren dem Volk jedoch 10.000 Bienen an, steigen die Chancen f\u00fcr eine erfolgreiche \u00dcberwinterung stark an, solange gen\u00fcgend Futter in den Waben vorhanden ist. Daf\u00fcr muss der Imker im Sp\u00e4tsommer sorgen, in dem er Zuckerwasser oder -Sirup f\u00fcttert. Ein Gewicht von 30 bis 35 kg reicht erfahrungsgem\u00e4\u00df aus, um bis Mai gen\u00fcgend Futter zur Verf\u00fcgung zu haben (davon sind 15 &#8211; 20 kg Futter).<\/p>\n<p>In den kalten, dunklen Wintermonaten verbrauchen die Bienen relativ wenig von ihrem eingelagerten Futter &#8211; etwa so:<\/p>\n<p>Nov. ca. 1,5 kg &#8211; Dez. ca. 1 kg &#8211; Jan. ca. 1 kg.<\/p>\n<p><strong>Wie kommen die Bienen ans Futter ?<\/strong><\/p>\n<p>Der &#8222;Brennstoff&#8220; f\u00fcr die Eigenheizung ist das eingelagerte Futter, der darin enthaltene Zucker. Solange die Bienen gen\u00fcgend Futter am ehemaligen Brutbereich, ihrem \u00fcblichen Wintersitz, haben, verbrauchen sie dieses zum Heizen. Sind die Waben leer, muss die Traube sich ver\u00e4ndern, um an weitere gef\u00fcllte Zellen zu kommen. Andererseits gibt es im Winter immer W\u00e4rmeperioden, in denen die Bienen weiter entfernte Waben aufsuchen, dort die Wachsdeckel vom Futter entfernen, um es aufzunehmen und es an den Bienensitz tragen. Die Kombination von ver\u00e4ndertem Sitz der Bienentraube und die besondere &#8222;in house-Logistik&#8220;, das Heranholen von Futter in w\u00e4rmeren Perioden garantiert eine st\u00e4ndige Versorgung, so dass die Heizleistung erbracht werden kann. Im Bedarfsfall kann sich die gesamte Traube auch auf z.B. 30 \u00b0C aufheizen und so das Futter im Randbereich erw\u00e4rmen und aufnehmen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Winterverluste<\/strong><\/p>\n<p>Nicht immer klappt alles so, wie es sein soll. Sind zu wenig Winterbienen im Sp\u00e4tsommer\/Fr\u00fchherbst angelegt worden oder sind diese geschw\u00e4cht, reicht die Bienenmasse nicht, um k\u00e4ltere Perioden zu \u00fcberstehen (zu wenig Heizleistung). Um eine ausreichend gro\u00dfe Masse zu gew\u00e4hrleisten, m\u00fcssen folgende Parameter gew\u00e4hrleistet sein<\/p>\n<ul>\n<li>ausreichend und leicht verdauliches <strong>Futter<\/strong> (Saccharose &#8211; Glukose &#8211; Fruktose)<\/li>\n<li>gute Versorgung mit <strong>Pollen<\/strong> (Sp\u00e4tbl\u00fcher wie Dahlien, Astern, Bartblumen, Sonnenhut, Wei\u00dfklee, Heide usw.)<\/li>\n<li>ausreichendes <strong>Brutgesch\u00e4ft<\/strong> im Sp\u00e4tsommer (gesunde, leistungsf\u00e4hige K\u00f6nigin)<\/li>\n<li>Wetter muss stimmen (Wechsel von warmen und feuchten Tagen) zur Sicherung der <strong>Wasserversorgung<\/strong><\/li>\n<li>geringer Varroamilbenbefall der jungen Winterbienen, um diese nicht von Beginn an zu schw\u00e4chen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es k\u00f6nnen viele Dinge &#8222;aus dem Ruder laufen&#8220; &#8211; oft sind es wenig sichtbare M\u00e4ngel, die sich dann aber summieren. Bspw. kann das dargebotene Futter zu stark Glukose-lastig sein, z.B. durch Nektar von sog. Sp\u00e4tbl\u00fchern wie Senf, \u00d6lrettich o.\u00e4., den Bauern gerne als Zwischenfr\u00fcchte oder Gr\u00fcnd\u00fcngung auf den abgeernteten Feldern anlegen. Hohe Glukosegehalte im Futter f\u00fchren zur Auskristallisation bei sinkenden Temperaturen. Das f\u00fchrt dazu, dass die Bienen das Futter nicht mehr aufnehmen k\u00f6nnen; denn sie k\u00f6nnen bei K\u00e4lte kein Wasser zur Verfl\u00fcssigung holen.<\/p>\n<p>Eine ausreichende F\u00fctterung mit Sirup, der hohen Fruktoseanteil enth\u00e4lt, schafft da Abhilfe. Fruktosel\u00f6sung bleibt bis weit in den Frostbereich noch fl\u00fcssig, ein genialer Schachzug der Evolution, der den Bienen das \u00dcberleben im Winter sichert.<\/p>\n<p>Durch eine Vielzahl negativer Einfl\u00fcsse &#8211; auch in Kombination &#8211; kommt es regelm\u00e4\u00dfig bei Imkern zu Winterverlusten in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von 15 bis 20 %. Bei wildlebenden Honigbienenv\u00f6lkern kann dieser Verlust 50 % und mehr erreichen, weil sie weniger gut betreut sind.<\/p>\n<p>Das h\u00f6rt sich hoch an, jedoch h\u00e4ngt damit eine strategische Auslese zusammen: Diese &#8222;Selektion&#8220; schafft f\u00fcr die V\u00f6lker, die das Fr\u00fchjahr unbeschadet erreichen, eine gute Startposition durch eine solche nat\u00fcrliche Auslese. Was nicht stark genug in den Winter ging, \u00fcberlebt nicht. Was krank in den Winter geht, \u00fcberlebt auch nur selten; usw.<\/p>\n<p><strong>Vorfr\u00fchling<\/strong><\/p>\n<p>Im Norden kann es im Februar schon mal Tage mit 8 bis 10 \u00b0C geben. Das Tageslicht nimmt zu, die Temperatur steigt manchmal sprunghaft an und die Sonne w\u00e4rmt schon mal die Au\u00dfenwand der Bienenbeuten. All&#8216; das sp\u00fcrt der Bien und es beginnt sich etwas Unruhe breit zu machen. Es gilt, das Volk auf den kommenden Fr\u00fchling vorzubereiten, d.h., die K\u00f6nigin wieder zur Eilage zu animieren &#8211; dies erfolgt u.a. durch eine ver\u00e4nderte F\u00fctterung (mehr Eiwei\u00dfanteile) &#8211; und die Termperatur im Kernbereich der Traube zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Ab Februar\/M\u00e4rz steigt dann auch der Futterverbrauch, wenn das Brutgesch\u00e4ft beginnt. Dann muss der Brutbereich auf 35 \u00b0C dauerhaft gew\u00e4rmt werden, unabh\u00e4ngig von der Au\u00dfentemperatur. Wenn bspw. im Februar starke Frosteinbr\u00fcche kommen und die Bienen schon erste verdeckelte Brutbereiche angelegt haben, werden diese auch geheizt, so dass Jungbienen schl\u00fcpfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Typisch sind Gewichtsverluste (Futterverbrauch) von gut 2 kg im Februar, 3 &#8211; 4 kg im M\u00e4rz und &gt; 5 kg im April. Um das zu gew\u00e4hrleisten, muss bis Oktober gut eingef\u00fcttert werden (&gt; 14 kg reiner Zuckeranteil, d.s. 20 kg Sirup pro Volk).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was machen die Bienen im Winter ? &#8211; &#8222;Sie schlafen&#8220;, lautet die \u00fcberwiegende Antwort. Das ist teilweise m\u00f6glich, jedoch generell sind sie wach und hoffentlich fidel. Denn sie m\u00fcssen auch oder ganz besonders den Winter \u00fcber arbeiten, sprich heizen! Bienen orientieren sich am Licht &#8211; Tagesl\u00e4nge und Dunkelheit bestimmen u.a. 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