{"id":153,"date":"2021-12-04T16:09:32","date_gmt":"2021-12-04T16:09:32","guid":{"rendered":"https:\/\/5seenhonig.com\/?p=153"},"modified":"2022-08-08T06:52:23","modified_gmt":"2022-08-08T06:52:23","slug":"varroa-destructor-ein-parasit-bedroht-die-bienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/5seenhonig.com\/?p=153","title":{"rendered":"Varroa destructor &#8211; ein Parasit bedroht die Bienen"},"content":{"rendered":"\n<p>Man liest und h\u00f6rt viel \u00fcber &#8222;das Bienensterben&#8220;. In dem Zusammenhang taucht immer wieder &#8222;die Varroa Milbe&#8220; auf. Hintergrund ist die Ausbreitung einer Milbenart &#8211; <em>Varroa destructor<\/em> (ehemals <em>V. jacobsonii<\/em>) seit den 1970er Jahren von S\u00fcdostasien \u00fcber die gesamte Welt. <em>V. destructor<\/em> &#8211; kurz Varroa &#8211; geh\u00f6rt aktuell zu den wesentlichen Belastungsfaktoren f\u00fcr die Honigbienen, nicht nur in Deutschland, Europa, sondern in aller Welt bis auf einige wenige Gebiete wie z.B. Australien. Spricht man mit \u00e4lteren Imkern, die noch die Bienenhaltung ohne Varroa kennen, h\u00f6ren sich deren Erz\u00e4hlungen ganz entspannt an. Heute muss ein Imker viel Zeit und Arbeit \u00fcber das gesamte Jahr investieren, um den Milbenbefall der Bienen in den erforderlichen Grenzen zu halten und den V\u00f6lkern das \u00dcberleben zu sichern. Ich m\u00f6chte einen Einblick in diese Imkerarbeit geben, die nichts direkt mit der Honiggewinnung zu tun hat und um dieses &#8222;Beiwerk&#8220; n\u00e4her zu bringen bzw. den &#8222;Arbeiten&#8220; mit und an der Biene zu verdeutlichen.<\/p>\n<p>Was hat es mit der Milbe auf sich und wie kam es dazu ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Historisches, Lebenszyklus, Verbreitung<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt viele Geschichten zur Verbreitung der Varroamilbe; einiges ist wahr und einiges ist Mysterium. <strong>Ursprung<\/strong> von Varroa ist der s\u00fcdostasiatische Raum. Dort sind Bienen der Art <em>Apis cerana<\/em> heimisch. Diese bauen kleine V\u00f6lker auf, die bei g\u00fcnstiger Gelegenheit schw\u00e4rmen, sich so vermehren und quasi Krankheiten absch\u00fctteln (zur\u00fccklassen). Die Honigstapelung dieser V\u00f6lker ist nur soweit ausgepr\u00e4gt, dass die V\u00f6lker sich ausreichend entwickeln und jederzeit wieder schw\u00e4rmen k\u00f6nnen. Zudem muss keine \u00dcberwinterung erfolgen.<\/p>\n<p><em>V. destructor&nbsp;<\/em>ist auf dieser Biene heimisch, d.h., die Biene als Wirt und die Milbe als Parasit haben einen Modus der Ko-Existenz gefunden, der beiden das \u00dcberleben sichert. N\u00e4heres dazu f\u00fcr Interessierte findet man in dieser \u00e4lteren Publikation.<\/p>\n<p>J. Insect Physiology, Vol 32, No. 9, page 791 &#8211; 798, 1986<\/p>\n<p>Heinz H\u00e4nel and Nikolaus K\u00f6niger<\/p>\n<p>Possible Regulation of the Reproduction of the Honey Bee Mite Varroa jacobsonii (Mesostigmata Acari) by a Host&#8217;s Hormone: Juvenile Hormone III<\/p>\n<p>Kurz gefasst, wurde seinerzeit herausgefunden, dass Varroa in diesen V\u00f6lkern im wesentlichen die Drohnenbrut bef\u00e4llt, w\u00e4hrend die Arbeiterinnenbrut nur sporadisch befallen ist. Wie kommt das ?&nbsp; Wenn die jeweilige Larve an das Stadium zur Verpuppung kommt, gibt sie ein Hormonsignal an die Pflegebienen ab. Dieses Signal besteht aus dem o.g. Juvenil Hormon, Typ III. Dies verstehen die Ammenbienen und verdeckeln die jeweilige Zelle mit Wachs, damit sich die Bienen in Ruhe weiter entwickeln k\u00f6nnen. Das Signal versteht aber auch die Milbe und wandert in die noch offene Zelle ein, so dass sie sich innerhalb der geschlossenen Zelle ungest\u00f6rt vermehren kann. Ergebnis der o.g. Forschung ist, dass dieses Hormonsignal bei Arbeiterinnen- und Drohnenlarven unterschiedlich stark ist. Die Drohnenlarve gibt ein deutlich st\u00e4rkeres Signal ab als die Arbeiterinnenlarve. Dies registriert die Milbe und wandert bevorzugt in die Drohnenbrut ein.<\/p>\n<p>Der <strong>Lebenszyklus<\/strong> von <em>V. destructor<\/em> ist typisch f\u00fcr Parasiten: Eine Muttermilbe wandert Signal-gesteuert in die Brutzelle vor deren Verdeckelung ein. Dort ern\u00e4hrt sie sich von der Larve\/Puppe. W\u00e4hrend des Entwicklungszeitraums der Biene legt die Muttermilbe Eier &#8211; das erste Ei bringt ein M\u00e4nnchen hervor, die n\u00e4chsten zwei bis drei Eier jew. Weibchen. Das M\u00e4nnchen ist schnell geschlechtsreif und begattet noch in der verdeckelten Zelle seine Schwestern. Danach verstirbt es. \u00dcber den Zeitraum von 12 Tagen schl\u00fcpfen mit der Jungbiene, die durch die Parasitierung geschw\u00e4cht ist, die Muttermilbe und 1 bis 3 Tochtermilben. Erstere bef\u00e4llt erneut eine Brutzelle, letztere befallen Bienen und ern\u00e4hren sich von diesen \u00fcber 5 bis 6 Tage. Man nennt diese Phase phoretisch, weil die Milben von den Bienen getragen werden (griech.: phorein = tragen). In dieser Zeit sitzen die Milben vornehmlich zwischen den Brauchschuppen der Bienen, wo sie an den Fettk\u00f6rper der Bienen \u00fcber L\u00f6cher in der dort vorhandenen Membran kommen und sich von diesem ern\u00e4hren. Nach dieser &#8222;Tragephase&#8220; befallen die Milben Brutzellen mit Bienenlarven nach dem o.g. Schema und vermehren sich dort (reproduktive Phase).<\/p>\n<p>Im Zuge von Bienenexporten aber auch durch nat\u00fcrliche Wanderungen von Bienen kam es zur <strong>Verbreitung<\/strong> der Varroamilben, z.B. \u00fcber Ostsibirien (Primorje-Region) nach Russland. Jedoch wurden auch Bienen und Milben zu Forschungszwecken verbreitet und letztlich erfolgte die Verbreitung der Milben \u00fcber Bienenexporte aus s\u00fcdlichen L\u00e4ndern in andere Regionen. \u00c4hnlich wie bei der aktuellen Covid-19 Pandemie lassen sich die exakten Wege und deren Anteile am Geschehen nicht mehr nachvollziehen.<\/p>\n<p><strong>Der wesentliche Unterschied<\/strong><\/p>\n<p>Im Gegensatz zur \u00f6stlichen Honigbiene, <em>Apis cerana,<\/em> findet sich bei der hier heimischen<em> Apis mellifera <\/em>kaum ein Unterschied zwischen der Intensit\u00e4t des Hormonsignals aus den Larven der Arbeiterinnen und den Drohnen. Dies hat zur Folge, dass die Varroa beide Larventypen mit \u00e4hnlicher Wahrscheinlichkeit bef\u00e4llt. Der in Imkerkreisen immer wieder betonte st\u00e4rkere Befall der Drohnenbrut, wie bei <em>Apis cerana<\/em> ist der Tatsache geschuldet, dass die Entwicklungszeit der Drohnen drei Tage l\u00e4nger ben\u00f6tigt im Vergleich zu den Arbeiterinnen (24 Tg. versus 21 Tg.). Durch diese l\u00e4ngere Verdeckelungszeit haben die eingewanderten Milben mehr Zeit, f\u00fcr die Entwicklung ihres Nachwuchs&#8216;. So schl\u00fcpfen aus einer Drohnenzelle i.d.R. mehr Milben als aus einer Arbeiterinnenzelle.<\/p>\n<p>Aus diesem kleinen Unterschied erw\u00e4chst sich&nbsp; das gesamte Problem f\u00fcr die westliche Honigbiene. Infolge der Entwicklung der Milben einerseits in einer geschlossenen Zelle und andererseits deren Reifung \u00fcber Tage, gesch\u00fctzt zwischen den Bauchschuppen des Bienenhinterleibs, l\u00e4sst sich die Varroamilbe nur schlecht im Zaum halten.<\/p>\n<p><strong>Wo befinden sich die Varroamilben und was machen sie ?<\/strong><\/p>\n<p>Die Antwort auf diese einfache Frage ist nicht einfach! Im Fr\u00fchjahr, wenn sich das Bienenvolk stark vermehrt, sitzen die (wenigen) Milben \u00fcberwiegend in den verdeckelten Brutzellen, um sich zu vermehren. &#8222;Hier br\u00fctet der Bien dem Milb davon&#8220;, sagen die Experten. Es entstehen pro Zeiteinheit mehr Jungbienen als Varroamilben &#8211; somit wird das Problem durch das starke Volkswachstum kompensiert.<\/p>\n<p>Im Sommer, wenn die V\u00f6lker i.d.R. stark besetzt sind (30 bis 50.000 Bienen \/ Volk), fallen die Milben ebenso wenig auf. Auch hier sitzen sie \u00fcberwiegend zur Vermehrung in der verdeckelten Bienenbrut. Parasitierung von 1 bis 5 % der Zellen sind hier die Regel. Parasitierung hei\u00dft, die Milben saugen an den Larven und Bienenpuppen, sie saugen in der phoretischen Phase an den fertigen Bienen und nehmen ihnen die Lebenskraft.<\/p>\n<p>Im Sp\u00e4tsommer, nach der Sommersonnenwende, reduzieren die Bienen ihr Brutgesch\u00e4ft im Hinblick auf den nahenden Winter. Der Varroabefall steigt einerseits durch die vorangegangene ungest\u00f6rte Vermehrungsphase im wohlversorgten Bienenvolk &#8211; &gt; 5 % Zellbefall mit Milben sind dann m\u00f6glich. Andererseits steigt rein statistisch der Befall pro Brutzelle immens an. Ein so befallenes Volk verliert damit sehr viele geschw\u00e4chte Winterbienen, welche f\u00fcr die notwendige W\u00e4rme und Futterlogistik im Bienenstock sorgen sollten. Hier wird das Problem offensichtlich. Die V\u00f6lker werden schw\u00e4cher in einer Phase, wo sie ohnehin eine abnehmende Populationsentwicklung haben. Einzelne Bienen k\u00f6nnen ihrem Tagesgesch\u00e4ft (Pollen- und Wasserversorgung, Brutaufzucht) nicht mehr nachkommen.<\/p>\n<p>Im Herbst, schlussendlich, tritt das Problem vollends zutage, indem die V\u00f6lker so beeintr\u00e4chtigt sind, dass eine Biene nach der anderen den Stock verl\u00e4sst, um au\u00dferhalb geschw\u00e4cht zu sterben und die Schwestern nicht zu gef\u00e4hrden. Am Ende steht der Bienenstock im November mit vollen Futterwaben ohne Bienen da &#8211; alles weg! Nur ein kleines H\u00e4ufchen Bienen und die K\u00f6nigin sind auf den Waben erfroren. Ein sehr trauriges Ende !<\/p>\n<p><strong>Wie kann man den Bienen helfen ?<\/strong><\/p>\n<p>Schnell wurden in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts Mittel gegen Milben entwickelt, die den Befall reduzieren (sog. Akarizide). Diese wirken gut, haben aber den Nachteil, dass sie fettl\u00f6slich sind und sich im Wachs anreichern. Honig ist eher nicht belastet, da er einerseits kein Fett enth\u00e4lt und andererseits die Behandlungen grunds\u00e4tzlich <strong>nach der letzten Honigernte<\/strong> erfolgen.<\/p>\n<p>Alternativ wurde entdeckt, dass bestimmte einfache organische S\u00e4uren ebenso wirksam sind: Milchs\u00e4ure, Ameisens\u00e4ure und Oxals\u00e4ure. Das Wirkprinzip basiert auf dem Kontakt der Milben mit diesen S\u00e4uren. Infolgedessen nehmen die Milben die S\u00e4ure in sich auf, werden innerlich gesch\u00e4digt und versterben. Die Bienen reagieren unterschiedlich auf die jeweilige Substanz und deren Applikationsart:<\/p>\n<ul>\n<li>&nbsp;Milchs\u00e4ure wird gespr\u00fcht und benetzt die Bienen direkt. Dazu muss man jede Wabe einzeln von beiden Seiten behandeln. Aufgrund ihrer relativ schwachen S\u00e4urest\u00e4rke muss Milchs\u00e4ure doppelt im Abstand von Tagen angewendet werden &#8211; sehr aufw\u00e4ndig. Der Spr\u00fchvorgang gew\u00e4hrleistet nur selten die richtige Dosierung.<\/li>\n<li>Ameisens\u00e4ure wird auf geeignete Tr\u00e4ger appliziert und verdunstet und der Dampf verteilt sich optimal im Bienenstock, mithin kommt er \u00fcberall hin. Die Konzentration ist jedoch abh\u00e4ngig von der aktuellen Temperatur und Luftfeuchte, die man nicht regulieren kann. So kommt es zu Fehldosierungen aufgrund schwankender Luftfeuchte.<\/li>\n<li>Oxals\u00e4ure wird als L\u00f6sung gespr\u00fcht, getr\u00e4ufelt oder sublimiert. Beim Spr\u00fchen (einmalig) hat man das gleiche Problem wie bei Milchs\u00e4ure; Tr\u00e4ufeln geht nur im Winter gut, wenn die Bienen zur engen Traube zusammengezogen sind. Es darf nur einmalig erfolgen, weil sonst die Bienen stark gesch\u00e4digt werden. Die beste Anwendung &#8211; hinsichtlich Applikationspraxis, Wirksamkeit auf die Varroamilbe und Schonung der Bienen &#8211; ist die Sublimation von Oxals\u00e4ure, die direkte Verdampfung aus dem Feststoff &#8211; bildet feinste Staubpartikel, die im Bienenstock gut verteilt werden. Diese Applikation ist in der EU und der Schweiz als Tierarzneimittel zugelassen, mit Ausnahme in Deutschland.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Vorteil bei der Anwendung org. S\u00e4uren ist deren Unl\u00f6slichkeit in fettigen Materialien, so dass keinerlei R\u00fcckst\u00e4nde im Wachs verbleiben. Dagegen l\u00f6sen sich diese Substanzen im Bienenfutter, also auch im Honig. Aufgrund der allgemeinen Arbeitsweise, die Varroabehandlung grunds\u00e4tzlich nach der letzten Honigernte durchzuf\u00fchren, kommt es hier nicht zu dessen Kontamination.<\/p>\n<p>Nachteilig ist die S\u00e4urewirkung und damit der erforderliche Arbeitsschutz f\u00fcr den Anwender (Schutzbrille, Gummihandschuhe, FFP 3-Maske). Beim Spr\u00fchen von s\u00e4urehaltiger L\u00f6sung ist die Gefahr des Einatmens gegeben (Maske), beim Tr\u00e4ufeln muss der Kontakt mit der L\u00f6sung vermieden werden (Gummihandschuhe), beim Sublimieren ist eine Staubmaske und Fernbleiben vom Bienenstock zwingend.<\/p>\n<p>Aus den geschilderten Entwicklungen und Behandlungsverfahren wird deutlich, dass es f\u00fcr eine erfolgreiche Milbenreduktion notwendig ist, die V\u00f6lker in eine <strong>Brutpause<\/strong> zu zwingen oder auf diese zu warten (Sommer, Winter). Nur dann sind die Milben leicht durch die o.g. Behandlungsverfahren erreichbar und k\u00f6nnen substanziell reduziert werden. Behandlungen &#8211; auch mit Ameisens\u00e4ured\u00e4mpfen &#8211; von V\u00f6lkern mit verdeckelter Brut sind deutlich weniger erfolgreich und m\u00fcssen des \u00d6fteren wiederholt werden, wobei immer nur die Spitze des Milbenbefalls gebrochen wird. Eine substanzielle Reduktion geht nur innerhalb einer Brutpause oder \u00fcber l\u00e4ngere Zeit, so dass alle schl\u00fcpfenden Milben abget\u00f6tet werden (&gt; 3 Wochen).<\/p>\n<p>Es klingt relativ einfach und man gewinnt den Eindruck &#8211; ist alles machbar. Das ist aber nur &#8222;die halbe Miete&#8220;:<\/p>\n<p><strong>Diagnostik und Behandlung &#8211; wie, wann und womit ?<\/strong><\/p>\n<p>Kein Imker m\u00f6chte seinen Bienen das zumuten und tut alles, was im Rahmen der Angebote m\u00f6glich ist, um dieses Geschehen zu unterbrechen. Die heutige Standardbehandlung wird mit org. S\u00e4uren vorgenommen. Wenn V\u00f6lker sehr stark der Varroa ausgesetzt sind oder die Arbeitsabl\u00e4ufe es nicht anders zulassen, werden sie mit Akariziden behandelt. Das muss nicht schlecht sein, wenn der betreffende Imker eine sog. Wachsstrecke pflegt. Das bedeutet, dass die Altwaben routinem\u00e4\u00dfig eingeschmolzen werden und das so gewonnene Wachs nicht mehr in den imkerlichen Wachskreislauf gelangt, z.B. der Kerzenindustrie zugef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Alle Behandlungen erfolgen nach der letzten Honigernte, i.d.R. im Juli \/ August. Zu diesem Zeitpunkt reduziert sich der Umfang des Bienenbrutnests und die Milbenentwicklung gelangt an ihr Maximum, d.h., die Gef\u00e4hrdung der Bienen ist maximal. Eine Behandlung mit Akariziden erfolgt meist durch Einh\u00e4ngen von Wirkstoff-getr\u00e4nkten Streifen, den die Bienen und Milben beim Belaufen dann aufnehmen. Diese Streifen bleiben \u00fcber Wochen in den V\u00f6lkern und wirken sehr gut.<\/p>\n<p>Die Behandlung mit org. S\u00e4uren wurde oben beschrieben. Sie ist aufw\u00e4ndiger, macht Arbeit und ben\u00f6tigt Zeit und das richtige &#8222;timing&#8220;. Wenn die Honigsaison vorbei ist, beginnt f\u00fcr die Imker die Arbeit! Die drei Buchstaben &#8222;i.d.R.&#8220; signalisieren Routineabl\u00e4ufe. Oft weichen V\u00f6lker und deren Milbenbefall von der Regel ab &#8211; und hier entsteht die Arbeit! Das bedeutet, eine Behandlung war nicht so erfolgreich, wie vorgesehen &#8211; irgendetwas stimmte nicht (Luftfeuchte zu hoch, Eintrag von Milben durch Fremdbienen Zuflug oder R\u00e4uberei der eigenen Bienen in anderen V\u00f6lkern usw.). Man findet dann in den V\u00f6lkern wieder zu viele Milben &#8211; dazu die Beschreibung von <strong>Diagnosem\u00f6glichkeiten<\/strong>:<\/p>\n<p>Im einfachsten Fall misst man den Varroamilben-Totenfall mittels einer eingeschobenen Diagnoseschublade unter den Gitterboden der Bienenv\u00f6lker \u00fcber einen festgelegten Zeitrahmen. Es gibt dazu Faustregeln, wie viele tote Milben pro Tag einer Population von &#8222;x Milben im Volk&#8220; entsprechen. Das Verfahren ist recht ungenau, jedoch bei routinem\u00e4\u00dfiger Anwendung entwickelt man Routine und kann vergleichen. Diese Methode ist f\u00fcr sehr erfahrene Imker geeignet &#8211; weniger f\u00fcr Beginner.<\/p>\n<p>Ein genaueres Bild erh\u00e4lt man mit der sog. Auswaschmethode, bei der eine festgelegte Ammenbienenmenge aus dem Bienenvolk entnommen wird und diese mittels Alkohol\/Wassergemisch ausgewaschen werden. Die Milben werden so von den Bienen gesp\u00fclt, lassen sich z\u00e4hlen und damit der prozentuale Befall errechnen. Man kann diese Beprobung statt mit Fl\u00fcssigkeit auch mit Puderzucker durchf\u00fchren, der die Bienen nicht abt\u00f6tet. Diese Messung ist jedoch weniger exakt und nicht ganz einfach durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die beschriebenen Verfahren m\u00fcssen ab Juli routinem\u00e4\u00dfig angewendet werden, um den jeweils aktuellen Milbenbefall f\u00fcr die V\u00f6lker zu ermitteln und entsprechend mit den o.g. Behandlungen entgegenzuwirken.<\/p>\n<p>Die org. S\u00e4uren werden \u00fcber geeignete Verdunster appliziert &#8211; s.o.<\/p>\n<p><strong>Die Alternative<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Viel Wege f\u00fchren nach Rom&#8220;&#8230;<\/p>\n<p>Unsere heimischen Bienen sind mit einem Parasiten bedroht, der hier nie vorkam. Damit hat man eine invasive Situation in der &#8211; ohne Eingriffe der Imker &#8211; die Bienenv\u00f6lker zu \u00fcber 90 % versterben w\u00fcrden (Forschungsergebnisse dazu sind verf\u00fcgbar und belegen diese Annahme). Derartige evolution\u00e4re Prozesse dauern sehr, sehr lange, sind aber durchaus erfolgreich; denn die wenigen \u00fcberlebenden V\u00f6lker erarbeiten sich offensichtlich M\u00f6glichkeiten, mit der Varroamilbe zu ko-existieren. Das mag &#8222;nat\u00fcrlich&#8220; sein, l\u00e4uft aber den imkerlichen Interessen zuwider.<\/p>\n<p>Einen Kompromiss hatten die Heideimker schon lange vor der Varroainvasion erarbeitet, indem sie eine sog. Schwarmimkerei betrieben und die Schw\u00e4rme einfingen, daraus Jungv\u00f6lker entwickelten, die dann gemeinsam mit den verbliebenen Altv\u00f6lkern die Sp\u00e4ttracht Heide abernten konnten. Danach wurde alles wieder soweit vereinigt, dass \u00fcberwinterungsf\u00e4hige Einheiten entstanden. Dieses Verfahren ist sehr aufw\u00e4ndig und kommt in unserer \u00f6rtlich und zeitlich dicht gedr\u00e4ngten modernen Welt kaum den Interessen der Imkerei entgegen.<\/p>\n<p>Eine <strong>Integration der Bienenbed\u00fcrfnisse und die imkerlichen Ziele<\/strong> der Honigernte &#8211; beides immer in einem Kompromiss realisiert &#8211; l\u00e4sst sich durchf\u00fchren. Es macht mehr Arbeit, f\u00fchrt aber mit Beharrlichkeit und konsequentem Handeln \u00fcber Jahre zum Ziel einer nahezu behandlungsarmen Imkerei. In meiner Imkerei wird dieser Ansatz verfolgt:<\/p>\n<p>Er beruht auf der Regel, dass Bienenv\u00f6lker sich immer wieder erneuern &#8211; durch Schwarmbildung und evt. Krankheiten in Form der zur\u00fcckbleibenden Bienen und der Brut absch\u00fctteln. Daraus und aus den Kenntnissen zum Lebenszyklus der Varroamilbe und den Notwendigkeiten einer effizienten Behandlung ergeben sich einige Prinzipien:<\/p>\n<ul>\n<li>Schw\u00e4rmen ohne zu schw\u00e4rmen<\/li>\n<li>kontinuierliche Neubildung von V\u00f6lkern<\/li>\n<li>Sanierung von Brut und Bienen &#8211;&nbsp; Behandlung in Brutpausen<\/li>\n<li>Selektion: Genetik, die u.a. mit der Varroamilbe ko-existiert<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese vier Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen ist das Ziel meiner Imkerei. Der erste Grundsatz gen\u00fcgt dem Schwarmtrieb der Bienen. Diesem kann man, besonders im Fr\u00fchjahr, nachkommen und den Bienen komplett die gesamte Brut entnehmen. Diese Ma\u00dfnahme kommt dem Schwarmakt sehr nahe. Die Bienen bauen in der Zeit bester Versorgung (Mai) schnell ein komplett neues Brutnest auf. Das kommt dem zweiten Grundsatz entgegen &#8211; das Volk erneuert sich und seine Basis. Das Gros der Varroamilben verbleibt in der entnommenen Brut und kann so separat saniert werden. Das kommt dem dritten Grundsatz entgegen. Dazu wird die Brut au\u00dferhalb des Flugkreises positioniert und mit den genannten Mitteln und Verfahren behandelt. Die Bienen schl\u00fcpfen und ben\u00f6tigen weniger Pflegebienen zur Temperaturerhaltung, da sie \u00fcberwiegend versorgt sind (Verpuppung unterhalb der Zelldeckel) und st\u00e4ndig neue Bienen aus der Brut dazukommen. Der Zeitpunkt ist g\u00fcnstig, da parallel zumeist die K\u00f6niginnenvermehrung betrieben wird. Es werden Jungk\u00f6niginnen, T\u00f6chter von K\u00f6niginnen, die sich bew\u00e4hrt haben, nachgezogen. So stehen neue K\u00f6niginnen zur Verf\u00fcgung, die von ausgelesenen M\u00fcttern stammen. Dies trifft den vierten Grundsatz &#8211; damit sind alle o.g. Grunds\u00e4tze erf\u00fcllt und es wurden keine Behandlungsmittel eingesetzt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieser Volkserneuerung lagern die V\u00f6lker nat\u00fcrlich weniger Honig ein, da sie &#8222;Brennstoff&#8220; f\u00fcr den Wabenbau und die komplett neue Brutversorgung ben\u00f6tigen. Die Honigproduktion leidet zugegeben etwas, jedoch ist es mir das wert.<\/p>\n<p>Im Sommer sind derart behandelte V\u00f6lker mit weniger Varromilben belastet als parallel nicht so behandelte Einheiten. Dennoch sind sie nicht komplett frei von Milben; es kann eine sog. Re-Infektion stattfinden. D.h., infolge von Verflug von Fremdbienen und -Drohnen werden Varroamilben verteilt, ebenso durch gegenseitiges Ber\u00e4ubern. Es gibt Jahre, da finden sich im August erneut viele Milben in den V\u00f6lkern, seltener in den Jungv\u00f6lkern. Aufgrund des hohen Brutumsatzes \u00fcber den Sommer sind die Bedingungen f\u00fcr die wenigen verbliebenen Milben optimal gewesen und sie haben ihren Job gemacht. Hier werden erneut die o.g. Grunds\u00e4tze bem\u00fcht und es wird bei den betroffenen V\u00f6lkern gezielt Brutfreiheit erzeugt.<\/p>\n<p>Aufgrund der fortgeschrittenen Saison und dem Bestreben der Bienenv\u00f6lker, sich ab der Sommersonnenwende auf den Winter vorzubereiten, wird ein anderes Verfahren genutzt. Dieses erh\u00e4lt die komplette Volksstruktur, auch dessen Basis, das Brutnest und die im dynamischen Prozess angelegte Brut:<\/p>\n<p>Die K\u00f6nigin wird auf einer sog. <strong>Bannwabe<\/strong> fixiert, welche durch eine Gitterkonstruktion, durch welche Bienen aber nicht die K\u00f6nigin schl\u00fcpfen kann. Sie legt weiter auf dieser abgesperrten Wabe und die Bienen pflegen auch diese Brut. Nach gut 3 Wochen ist die gesamte &#8222;ausgesperrte&#8220; \u00fcbrige Brut geschl\u00fcpft und man kann die K\u00f6nigin wieder freilassen. Die Bannwabe wird entnommen und diese gemeinsam von mehreren V\u00f6lkern in einer neuen Einheit gesammelt. Wir nennen das einen Brutsammler mit einigen verbliebenen Pflegebienen. Diese Brutwaben enthalten sehr viele Milben; denn dorthin haben sie sich mit dem Ziel der Vermehrung gefl\u00fcchtet. In den so behandelten V\u00f6lkern ist zwischenzeitlich der letzte Honig geerntet und sie werden gef\u00fcttert. Parallel dazu kann jetzt, bevor die neue Brutanlage sich entwickelt, das Volk komplett mit org. S\u00e4ure in einer Sto\u00dfbehandlung behandelt werden. Der Erfolg dieser Behandlungen ist sehr hoch, da die Varroamilben nur noch auf den Bienen sitzen und damit besser zug\u00e4ngig sind.<\/p>\n<p>Die Brutsammler werden analog den im Fr\u00fchjahr gebildeten Brutsammlern mit org. S\u00e4uren behandelt, bis die Brut komplett geschl\u00fcpft ist und die Milben nahezu komplett abget\u00f6tet sind. Die geschl\u00fcpften Bienen werden den Wirtschaftsv\u00f6lkern hinzugegeben, wodurch sehr starke \u00fcberwinterungsf\u00e4hige Einheiten entstehen. Alternativ kann man diese Brutsammler auch eine K\u00f6nigin nachziehen lassen, die kurz vor deren Schlupf durch eine selektierte Nachzuchtk\u00f6nigin ersetzt wird.<\/p>\n<p>Wichtig in diesem Konzept ist die <strong>K\u00f6nignselektion<\/strong>, \u00fcber die gew\u00e4hrleistet werden soll, dass eine &#8222;shift&#8220; zu V\u00f6lkern mit immer weniger Milbenbefall und\/oder besserer Ko-Existenz zwischen Bienen und Milben dauerhaft vollzogen wird. Nat\u00fcrlich gibt es dabei R\u00fcckschl\u00e4ge und Ausf\u00e4lle, jedoch ist das Ziel klar. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob dieses Ziel durch die Auslese in der eigenen Vermehrung unterst\u00fctzt wird oder ob ein Zukauf von K\u00f6niginnen mit entsprechender Genetik dies untermauert. Wesentlich ist die beharrliche Auslese und Beobachtung der V\u00f6lker.<\/p>\n<p>&#8222;Rom wurde nicht an einem Tag erbaut&#8220;.&nbsp;<\/p>\n<p>Nachfolgend beispielhaft eine Statistik zur Winterbehandung im Winter 2018\/19 und resultierendem Milbentotenfall (auf dem Bodenschieber t\u00e4glich ermittelt). Die V\u00f6lker werfen in unterschiedlicher Dynamik Milben ab. Nach ca. 10 Tagen stabilisiert sich die &#8222;Fallrate&#8220; auf niedrigem Niveau (&lt; 4 Milben\/Tag).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"941\" height=\"490\" src=\"https:\/\/5seenhonig.com\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Winterb2018-3_html_152fb42a.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-82\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Dieser &#8222;link&#8220; zeigt einen \u00dcberblick zum vorgenannten Thema:<\/p>\n<p>https:\/\/www.google.de\/url?sa=t&#038;rct=j&#038;q=&#038;esrc=s&#038;source=web&#038;cd=&#038;cad=rja&#038;uact=8&#038;ved=2ahUKEwi-n7Ou1sf0AhX_iv0HHc-_BGQQFnoECAIQAQ&#038;url=https%3A%2F%2Fwww.cropscience.bayer.com%2Fsites%2Fcropscience%2Ffiles%2Finline-files%2FDie_Varroa_Milbeimlyhf87.pdf&#038;usg=AOvVaw1dMrYVT0JIh__rntRKMsG5<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man liest und h\u00f6rt viel \u00fcber &#8222;das Bienensterben&#8220;. In dem Zusammenhang taucht immer wieder &#8222;die Varroa Milbe&#8220; auf. Hintergrund ist die Ausbreitung einer Milbenart &#8211; Varroa destructor (ehemals V. jacobsonii) seit den 1970er Jahren von S\u00fcdostasien \u00fcber die gesamte Welt. V. destructor &#8211; kurz Varroa &#8211; geh\u00f6rt aktuell zu den [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":160,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-153","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bienenkrankheiten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=153"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":165,"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153\/revisions\/165"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/160"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=153"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=153"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=153"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}