{"id":167,"date":"2021-12-04T16:53:19","date_gmt":"2021-12-04T16:53:19","guid":{"rendered":"https:\/\/5seenhonig.com\/?p=167"},"modified":"2023-10-20T14:57:35","modified_gmt":"2023-10-20T14:57:35","slug":"imkerei-wozu-die-anfaenge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/5seenhonig.com\/?p=167","title":{"rendered":"Imkerei &#8211; wozu ? Die Anf\u00e4nge"},"content":{"rendered":"\n<p>Am Beginn steht die Idee, etwas interessantes zu machen, mit H\u00e4nden und Kopf zu arbeiten und ggf. noch etwas davon zu haben. Wenn es dann noch der Allgemeinheit dient, ist es perfekt.\u00a0<\/p>\n<p>Daraus entwickelt sich die Idee, Bienen zu halten. Diese flei\u00dfigen Gesch\u00f6pfe best\u00e4uben Bl\u00fcten und sammeln Nektar. So tragen sie zum Kreislauf in der Natur bei &#8211; Tierern\u00e4hrung und Pflanzenvermehrung. Zudem bereiten die Bienen aus Nektar wohlschmeckenden Honig. Also alles prima ? Sie k\u00f6nnen aggressiv werden und stechen! &#8211; O.k., es gibt ja Schutzma\u00dfnahmen: Imkeranzug und Schleierhut, zur Not stichsichere Handschuhe&#8230;<\/p>\n<p>Nach \u00dcberwindung dieser H\u00fcrden kommt die Frage nach dem Einstieg in dieses Thema. &#8222;Man mache sich erst einmal schlau&#8220;, am besten mit einem Imkerkurs an einer der vielen Imkerschulen, die auf Vereinsbasis oder Landesverb\u00e4nden angeboten werden. Diesen Schritt habe ich nie bereut &#8211; es gab umfassende Informationen zum Umgang mit Bienen, mit dem ganzen Equipment rund um die Imkerei und nicht zu vergessen, die vielen Gespr\u00e4che au\u00dferhalb der direkten Schulung mit k\u00fcnftigen Imkern und &#8222;alten Hasen&#8220;. All&#8216; dies f\u00fchrte zum Entschluss, das Ganze mal auf kleinem Niveau zu beginnen. Es mussten zwei Jungv\u00f6lker her, am Besten im fr\u00fchen Fr\u00fchjahr!<\/p>\n<p>Noch im Arbeitsprozess hat man vorwiegend am Wochenende Zeit und da kam das Buch von Karl Weis, &#8222;Der Wochenendimker&#8220; gerade recht. Die enthaltenen Verfahrensweisen sind auf eine bestimmte Betriebsweise, die Hohenheimer Einfachbeute, zugeschnitten. In Norddeutschland ist diese aber nicht verbreitet; dort imkert man in &#8222;Segebergern&#8220;. Das sind Styroporbeuten, die w\u00e4rmehaltig sind &#8211; eben f\u00fcr norddt. Verh\u00e4ltnisse gut passend. Die Anpassung der im Buch gemachten Vorschl\u00e4ge auf die Verh\u00e4ltnisse in den Segeberger Beuten war zum gr\u00f6\u00dften Teil machbar und hilfreich.<\/p>\n<p>Geimkert wird &#8222;zweizargig&#8220;, ganz klar &#8211; machen ja alle so hier in der Gegend und das &#8222;greenhorn&#8220; erfindet das Rad nicht neu. Das bedeutet, jedes Volk hat zwei sog. Deutsch Normal (DN)-Zargen mit 11 R\u00e4hmchen zur Verf\u00fcgung, in dem das Volk br\u00fctet. Darauf wird im Fr\u00fchjahr ein Absperrgitter gelegt und der erste Honigraum zur Kirschbl\u00fcte aufgesetzt. Man muss wissen, dass es zu dieser Zeit aufgrund des langen Sp\u00e4twinters noch recht kalt ist. Klar sammeln die Bienen, aber so einen Honigraum mit 11 DN-R\u00e4hmchen bauen die mal nicht eben so aus. Das kann schwierig werden&#8230;<\/p>\n<p>O.k. &#8211; Anf\u00e4nger, da muss man durch. Im Mai endlich finden die Bienen so viel Tracht, dass nun auch der Honigraum ausgebaut wird. Bevor ich den zweiten Honigraum aufsetzen konnte, hingen die Bienen schon im Baum &#8211; ein Schwarm! Das ungebildete Imkerherz rutscht schon mal in die Hose angesichts der vielen Bienen, die da in einer Traube am Ast hingen. Egal &#8211; wie war das noch mit Schwarm einfangen ? Eine neue Beute mit Mittelw\u00e4nden zum Ausbauen reicht ja und da m\u00fcssen sie rein&#8230; In Vollmontur bei &gt; 25 \u00b0C zu arbeiten kann sehr schwei\u00dftreibend sein. Am Ende waren sie alle drin in der Kiste und blieben dort auch, weil die K\u00f6nigin mit eingefegt wurde (das habe ich aber gar nicht gewusst!). Bis zum Juni war dann Geduld angesagt; denn das alte Volk hatte keine gezeichnete K\u00f6nigin, d.h., man konnte sie im ganzen Gewusel nicht sehen. Es war nur deutlich sichtbar, dass keine Eier (Stifte) in den Zellen vorhanden waren, was bedeutet, dass keine begattete K\u00f6nigin im Volk ist. Schon wieder rutschte das Imkerherz in die Hose; denn ein Volk ohne K\u00f6nigin ist verloren&#8230;.\u00a0<\/p>\n<p>Nach 4 Wochen waren aber wieder Stifte und Brut in allen Stadien zu sehen und alles war wie es sein soll. Bienen sind halt schlau und kommen ohne das Imkerlein aus. Das Volk sammelte &#8211; aber nur f\u00fcr sich selbst. Honigraum wurde leer und der gro\u00dfe Brutraum f\u00fcllte sich mit Futter um das Brutnest &#8211; toll f\u00fcr die Bienen. Am Ende der ersten Saison konnte ich von einem Volk zweimal Honig ernten &#8211; Fr\u00fchjahr und Sommer. Es war immerhin ein Erfolg und es blieb etwas \u00fcbrig. Und ich hatte drei (!) V\u00f6lker.<\/p>\n<p>Im November fand ich eines der V\u00f6lker mit unz\u00e4hligen toten Bienen auf dem Beutenboden vor. Es war ein trauriger Anblick. Mittlerweile wei\u00df ich, dass dieses Volk nicht an der Varroamilbe verstorben ist, sondern dass ich es \u00fcberf\u00fcttert hatte. Die Bienen haben keine Bremse, was Futter angeht. Sie hauen sich die Bude voll, bis nichts mehr da ist. Das verursacht eine Einschn\u00fcrung des Brutnests, so dass die K\u00f6nigin nur noch wenige Eier legen kann. Die Folge sind V\u00f6lker mit zu wenig Bienen, die sich nicht ausreichend w\u00e4rmen k\u00f6nnen und damit erfrieren. Auf Kosten der Bienen etwas gelernt &#8211; passiert mir nie wieder !<\/p>\n<p>Soweit die Anf\u00e4nge &#8211; ich berichte das detailliert, weil ich als Anf\u00e4nger ohne sog. Imkerpaten beginnen musste. Der ist immens wichtig, um Situationen einzusch\u00e4tzen und die n\u00e4chsten Schritte abzuleiten, die sinnvoll sind. Ohne eine solche Hilfe steht man als Anf\u00e4nger v\u00f6llig auf dem Schlauch und muss Entscheidungen treffen. Eine sehr schwierige Situation.<\/p>\n<p>Im zweiten Jahr erkannte ich, dass die zweir\u00e4umige Betriebsweise in Styroporbeuten zwar gute Erfolge beim \u00dcberwintern bescherte, dass aber die Fr\u00fchjahrsentwicklung bei leistungsf\u00e4higen K\u00f6niginnen sehr rasch vonstatten geht und die V\u00f6lker zum Schw\u00e4rmen neigen. Das mag auch an den sog. Linien der K\u00f6niginnen liegen &#8211; hier alles Apis mellifera mellifera var. carnica, die sog. K\u00e4rntner Biene, die in Norddeutschland verbreitet ist. Sie hat viele Vorteile &#8211; \u00fcberwintert meist in kleinen V\u00f6lkern, ben\u00f6tigt damit wenig Futter (sog. H\u00fcngler) und kann eine rasche Fr\u00fchjahrsentwicklung vorlegen. Das ist toll f\u00fcr die Auswinterung, jedoch kommen diese V\u00f6lker auch schnell in Schwarmstimmung und h\u00e4ngen im Baum. Das macht die Honiggewinnung zunichte, das macht Arbeit &#8211; zwei V\u00f6lker, statt eines und es kostet Zeit, die man als Wochenendimker nicht hat.<\/p>\n<p>Die zwangsl\u00e4ufige Schwarmkontrolle im Mai bei zweizargigen V\u00f6lkern ist ein Qual: 22 R\u00e4hmchen durchschauen, alles mit Kittwachs verklemmt und eng in den Kisten, dabei immer die Bienen von den Waben sch\u00fctteln und auf sog. Weiselzellen pr\u00fcfen, diese entfernen um eine Woche sp\u00e4ter erneut welche zu finden. Sp\u00e4testens nach einer Zarge sind die Bienen so etwas von aufgebracht, dass man alles nur in Vollmontur durchf\u00fchren muss.<\/p>\n<p>Es musste sich etwas \u00e4ndern oder die Imkerei auf diese Weise war nicht mein Fall.<\/p>\n<p>Im dritten Jahr wechselte ich das Beutenformat: Es wurden Gro\u00dfraumbeuten angeschafft &#8211; sog. DN1,5 Beuten. Diese haben die Dimension der DN-Beuten, nur 50 % h\u00f6her. Ich begann zu rechnen: Eine DN-Wabe hat ca. 5.600 Wabenzellen, deren 22 haben dann 123.000 Zellen. Eine K\u00f6nigin, die 2.500 Zellen t\u00e4glich mit Eiern belegt, kann in einer Brutperiode (vom Ei bis zur fertigen Jungbiene) von 21 Tagen 21 * 2.500 = 52.500 Eier legen. Das schaffen die Besten gerade mal inmitten der Saison. Das bedeutet, dass der verf\u00fcgbare Raum in zwei DN-Zargen mit je 11 R\u00e4hmchen viel zu gro\u00df ist, um von einer guten K\u00f6nigin mit Brut vollst\u00e4ndig ausgef\u00fcllt zu werden. Daf\u00fcr lagern die Bienen den ganzen Nektar erst einmal um das Brutnest ein, um ihn des nachts in den Honigraum zu bef\u00f6rdern &#8211; oder das Brutnest einzuschn\u00fcren und der Bien bemerkt, die K\u00f6nigin legt nicht gen\u00fcgend Eier. Die Folge sind Schw\u00e4rme, besonders bei einer schwarmfreudigen Unterart wie die Carnica-Biene.<\/p>\n<p>In einer Gro\u00dfraumbeute wie dem DN1,5-Ma\u00df finden sich auf einem Rahmen 8.600 Zellen, die nutzbar sind. Die o.g. K\u00f6nigin ben\u00f6tigt max. 50.000 Zellen f\u00fcr einen vollst\u00e4ndigen Brutzyklus, die sie alle bestiften kann. Somit l\u00e4sst sich ausrechnen, dass 50.000 \/ 8.600 = 5,8 Waben v\u00f6llig ausreichend sind, um das Brutnest vollst\u00e4ndig auszudehnen. Den Honig stapeln die Bienen dann fast vollst\u00e4ndig im Honigraum &#8211; dort, wo ich ihn haben wollte, um ihn abzuernten.<\/p>\n<p>Somit wurde im Mai umgestellt, d.h., alle Bienen in eine DN1,5 Kiste mit 5 MW plus einen Drohnenrahmen einfach abgesch\u00fcttelt und mit einem sog. Schied &#8211; ein Abschlussbrettchen die R\u00e4hmchen &#8222;verschlossen&#8220;. Die verbliebene Brut kam \u00fcber ein Absperrgitter auf diese Kiste und nach 3 Wochen waren die Bienen geschl\u00fcpft und die leeren Zellen mit Nektar\/Honig gef\u00fcllt.<\/p>\n<p>Ich bemerkte zwei Dinge &#8211; die V\u00f6lker explodierten quasi im Brutnest, die K\u00f6niginnen belegten 90 % aller Zellen mit Brut und die Kontrolle der V\u00f6lker war ein ruhiges Unterfangen. Denn die Kiste hatte Platz f\u00fcr 11 Waben und man konnte das Schied und die Rahmen einzeln in den verbliebenen Leerraum schieben. Die Bienen nahmen von den Kontrollaktionen kaum Kenntnis, sondern machten &#8222;ihren Job&#8220;. Auch die Schw\u00e4rmerei ging merklich zur\u00fcck, obwohl ich gar keine anderen K\u00f6niginnen zugekauft hatte &#8211; es waren noch die selben K\u00f6niginnen. Das mag alles Zufall gewesen sein, jedoch fand ich diese Betriebsweise in Gro\u00dfraumbeuten viel leichter f\u00fcr den Imker und offensichtlich f\u00fchlten sich die Bienen auch wohl in den neuen Kisten.<\/p>\n<p>Ein weiterer wichtiger Schritt war der Zukauf einer neuen K\u00f6nigin, die offensichtlich einer anderen Genetik entstammte. Ich erwarb sie von einem Z\u00fcchter in der N\u00e4he, ohne zu wissen, dass es eine Buckfast-K\u00f6nigin war. Diese hatte eine lederbraune Farbe, was mich als Anf\u00e4nger nicht stutzig machte. Im folgenden, vierten Jahr, fiel dieses Volk auf &#8211; durch eine ausgepr\u00e4gte Sanftmut. Man konnte an ihm arbeiten, ohne dass die Bienen aufflogen; sie waren ganz ruhig besch\u00e4ftigt mit ihren T\u00e4tigkeiten im Stock. Honigleistung und andere Eigenschaften waren ebenfalls gut. Ich begann, den Vollschutz zu meiden; denn es ist keine Freude, bei warmem Wetter mit Schleier, dicker Baumwolljacke und ggf. noch Handschuhe zu arbeiten.<\/p>\n<p>Um es kurz zu machen &#8211; ich habe derzeit nur noch sanftm\u00fctige Bienen in meiner Imkerei. Nicht alles Buckfast-Bienen aber \u00fcberwiegend, auch aus Carnica-Linien sind K\u00f6niginnen dabei sowie sog. Elgon-Bienen, die vom Mount Elgon, Mittelafrika, stammen. Allesamt sind ohne Schutzausr\u00fcstung zu bearbeiten, was die Arbeit an und mit den Bienen erheblich erleichtert. Die o.g. Buckfastk\u00f6nigin hat den Weg gewiesen!\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Segeberger Beuten im DN1,5 &#8211; Format<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":93,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false,"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-167","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-imkerei"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/167","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=167"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/167\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":280,"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/167\/revisions\/280"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/93"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=167"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=167"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/5seenhonig.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=167"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}