{"id":226,"date":"2022-08-06T12:41:36","date_gmt":"2022-08-06T12:41:36","guid":{"rendered":"http:\/\/5seenhonig.com\/?p=226"},"modified":"2022-09-10T16:55:54","modified_gmt":"2022-09-10T16:55:54","slug":"sommer-varroabehandlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/5seenhonig.com\/?p=226","title":{"rendered":"Sommer Varroabehandlung"},"content":{"rendered":"\n<p>Es ist Sommer &#8211; die Bienen sind nahe dem Entwicklungsh\u00f6hepunkt, die Honigr\u00e4ume sind gef\u00fcllt, die Brutnester sind gro\u00df &#8211; alles ist perfekt. Vieles ist nicht so wie es erscheint &#8211; das Problem lauert im Untergrund:<\/p>\n<p>Die Varroamilbe bedroht bekanntlich die Honigbienen. Sie h\u00e4lt sich auf den Bienen (untere Hautschuppen) zur Reife und Ern\u00e4hrung und zur Vermehrung in der verdeckelten Brut auf. Dort hat sie mind. 12 Tage Zeit, sich zu reproduzieren, was sie sehr erfolgreich macht! Der Schutz in der verdeckelten Brut ist ein kluger Schachzug der Evolution, der die Milbe so erfolgreich macht und die Bienen so herausfordert. Denn vom Fr\u00fchjahr an schl\u00fcpfen Restmengen an Milben, die in jedem Bienenvolk auch \u00fcber den Winter verbleiben, vor jeder Brutverdeckelung in die Brutzellen und vermehren sich &#8211; erst langsam, dann immer schneller. Eine typische Populationsvermehrung in der Natur, die logarithmisch zunimmt. Das bedeutet, die sich vermehrenden Milben verdoppeln sich ann\u00e4hernd nach jedem Brutzyklus, abz\u00fcglich derer, die versterben. Diese Dynamik ist eine Herausforderung f\u00fcr jedes Bienenvolk: Aus 50 Milben im Mai entstehen in 4 Brutzyklen (ca. 3 Monate) theoretisch rund 3000 Milben bis zum August!<\/p>\n<p>Um diese Vermehrungsrate zu unterbrechen, gibt es verschiedene M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Imker, die grunds\u00e4tzlich nach der letzten Honigernte eingesetzt werden, z. Bsp.<\/p>\n<ul>\n<li>Behandlung mit organischen S\u00e4uren (Milchs\u00e4ure, Ameisens\u00e4ure 60 %ig, Oxals\u00e4ure)<\/li>\n<li>Behandlung mit Akariziden (Milben abt\u00f6tende synthetische Substanzen)<\/li>\n<li>Biologische Behandlungen wie Brutpause, Brutunterbrechung<\/li>\n<li>Kombination von genannten Verfahren<\/li>\n<\/ul>\n<p>Alle Verfahren haben Vor- und Nachteile. Aus praktischer Sicht ist die Behandlung mit <strong>Akariziden<\/strong> das einfachste Verfahren mit gr\u00f6\u00dfter Wirksamkeit. Der gro\u00dfe Nachteil ist die Anreicherung solcher Substanzen im Wachs der Brutwaben (will man nicht haben; denn es kann nicht entfernt werden !).<\/p>\n<p>Die Behandlung mit <strong>organischen S\u00e4uren<\/strong> ist &#8211; je nach Substanz und Methode &#8211; aufw\u00e4ndig. So muss beim Einsatz von <strong>Ameisens\u00e4ure<\/strong> 60 %ig eine spezielle Einrichtung zur geordneten Verdampfung in das Bienenvolk eingebracht werden. In dieser tropft eine vorher einzustellende Menge an Ameisens\u00e4ure auf einen sog. Docht (Filterplatte), der f\u00fcr eine st\u00e4ndige Verdunstung sorgen soll. Die Menge der in der Stockluft enthaltenen (wirksamen) Ameisens\u00e4ure ist abh\u00e4ngig von der Stocktemperatur, der Luftbewegung der Bienen (F\u00e4cheln gegen das fremde Agenz oder Bel\u00fcftung allgemein oder K\u00fchlung durch Wasserverdunstung bei Hitze) und vom Feuchtegehalt der Luft. Diese Multivarianz zeigt schon, dass bei wechselnden Wetterverh\u00e4ltnissen eine gezielte, effiziente Langzeitbehandlung \u00fcber 2 Wochen schwierig werden kann. Erfolg und Misserfolg liegen hier sehr nah beieinander. Letzteres findet sich dann in einem hohen Milbenbefall im September bei den betreffenden V\u00f6lkern wieder. Und dann ist guter Rat teuer&#8230;<\/p>\n<p>Fr\u00fcher waren Kurzzeitbehandlungen mittels Tr\u00e4nken eines Schwammtuchs mit Ameisens\u00e4ure geduldet. Diese konnten innerhalb von 24 Stunde abgeschlossen werden, so dass man kurzzeitig auf die Wetterverh\u00e4ltnisse reagieren konnte, auch und gerade im September. Die Behandlung wurde mehrfach wiederholt. Leider ist dies heute nicht mehr erlaubt.<\/p>\n<p><strong>Milchs\u00e4ure- und Oxals\u00e4urel\u00f6sungen<\/strong> werden durch Bespr\u00fchen der Bienen auf den Waben eingebracht. Die Dosierung ist dabei schwierig einzuhalten &#8211; es kommt auf die Einstellung des Spr\u00fchkopfes an, wieviel Menge an wirksamem Agenz auf den Bienen landet. Zudem ist die Erzeugung von Aerosolen f\u00fcr Imker, die ja Wabe und Spr\u00fchflasche in Arml\u00e4nge halten m\u00fcssen, unangenehm, da man dieses Aerosol einatmet. Da hilft nur die FFP2-Maske&#8230; Als Folge dessen, ist die Effizienz der jeweiligen Stoffe sehr unterschiedlich.<\/p>\n<p>Ein Verfahren, das in Deutschland nicht erlaubt ist, jedoch in angrenzenden L\u00e4ndern in der EU, ist die <strong>Sublimation von Oxals\u00e4ure-dihydrat,<\/strong> das h\u00f6chst effizient gegen die Milbe wirkt und Bienen schont. Oxals\u00e4ure-dihydrat ist ein Feststoff, der bei h\u00f6heren Temperaturen kurz unterhalb der Zersetzungstemperatur sublimiert. Das bedeutet, der Feststoff verdampft, ohne vorher fl\u00fcssig zu werden, direkt in die Stockluft. Dabei k\u00fchlt sich die Oxals\u00e4ure ab und kondensiert sofort als feinster Staub in der Luft, der sich auf jeder offenen Fl\u00e4che im Bienenstock niederschl\u00e4gt. Die Verteilung \u00fcbernehmen die Bienen, die den Staub durch f\u00e4cheln verteilen und einen Luftstrom erzeugen, der die staubige Luft im gesamten Bienenstock verteilt. Erfahrungen mit diesem Verfahren zeigen \u00fcberdeutlich, dass die Bienen nicht beeintr\u00e4chtigt werden, jedoch die aufsitzenden Milben effizient, d.h. bis zu 90 %, abget\u00f6tet werden.<\/p>\n<p>Alle Verfahren erfordern f\u00fcr eine hohe Wirksamkeit einen <strong>Zustand der Brutfreiheit<\/strong> im Volk, damit die Milben sich komplett auf den Bienen aufhalten und dies zur Zeit hoher Brutt\u00e4tigkeit der Bienen im Sommer (um sich auf die nahende kalte Jahreszeit vorzubereiten). Das ist ein anscheinend unl\u00f6sbarer Gegensatz &#8211; viel Brut f\u00fcr die Wintervorbereitung, jedoch Brutfreiheit zur Varroareduktion.<\/p>\n<p>Damit kommt man zu den beiden biologischen Verfahren, die den Einsatz milbent\u00f6tender Substanzen teilweise vermeidet &#8211; je nach Befallsgrad: Brutpause und Brutunterbrechung.<\/p>\n<p><strong>Brutunterbrechung<\/strong> (totale Brutentnahme, TBE) ist eine Simulation der Schwarmsituation. Die Brutwaben werden den Wirtschaftsv\u00f6lkern mit nur wenig ansitzenden Bienen entnommen und in sog. Brutscheunen gesammelt. Als Ersatz erhalten die V\u00f6lker Eigenwachsmittelw\u00e4nde, die sie ausbauen k\u00f6nnen. Dabei muss gef\u00fcttert werden, um den Bautrieb im simulierten Schwarmgeschehen zu f\u00f6rdern. Mit den Brutwaben wird im Sommer der gr\u00f6\u00dfte Teil der Milbenfraktion entnommen (gut die H\u00e4lfte bis zu zwei Drittel) und so eine erhebliche Reduktion des Befalls durch einen einzigen Eingriff vorgenommen. Eine erg\u00e4nzende Behandlung mit org. S\u00e4uren vor der Verdeckelung von neu angelegten Brutzellen ist der zweite Schritt &#8211; damit wird die Milbenfraktion auf den Bienen reduziert. Alternativ kann man auch mit einer sog. Fangwabe arbeiten &#8211; das ist eine Wabe mit \u00fcberwiegend offener Brut, in welcher sich die Milben sammeln, um sich zu vermehren. Die Fangwabe wird nach kompletter Verdeckelung den V\u00f6lkern entnommen, einschlie\u00dflich der enthaltenen Milben und ggf. den o.g. Brutscheunen zugef\u00fcgt.<\/p>\n<p>Welche Behandlung gew\u00e4hlt wird, ist nicht erheblich &#8211; sie muss nur wirksam sein. Damit erreicht man<\/p>\n<ul>\n<li>Reduktion der Milben um gut 90 % im Sommer<\/li>\n<li>Aufbau eines komplett neuen Brutnests mit idealer Struktur f\u00fcr den Wintersitz<\/li>\n<li>Entnahme aller alten Waben (Hygiene im Brutnest)<\/li>\n<li>F\u00f6rderung und Aktivierung der Vitalfunktionen im jew. Volk.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gesammelte Brut in den Brutscheunen sind ein hoher Infektionsfaktor; denn die Bienen schl\u00fcpfen aus den Zellen und damit die sich dort vermehrten Milben. Bienen k\u00f6nnen milbenbelastet wieder in die Altv\u00f6lker zur\u00fcckkehren und die ganze Aktion zunichte machen. Darum ist eine Aufstellung der Brutscheunen am Bienenstand ein &#8222;no go&#8220; &#8211; sie werden aus dem Flugkreis der Bienenv\u00f6lker entfernt. Diese Einheiten ziehen sich eine neue K\u00f6nigin aus der vorhandenen offenen Brut oder man gibt ihnen eine \u00e4ltere K\u00f6nigin, die ohnehin ausgeschleust werden soll, die die Bienen zusammenh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Brutscheunen erfordern eine gesonderte Behandlung auf dem entlegenen Standort: Zur Abt\u00f6tung der Milben, die mit den Bienen schl\u00fcpfen, ist eine Langzeitbehandlung mit Ameisens\u00e4ure oder mehrfache Kurzzeitbehandlungen (sog. Blockbehandlungen) notwendig. Die schl\u00fcpfenden Bienen sind, je nach Befallsgrad, mehr oder weniger schon gesch\u00e4digt und versterben in der Umgebung der Brutscheunen. Was \u00fcbrig bleibt und \u00fcber einen kompletten Brutzyklus (21 Tage) behandelt wurde, ist milbenarm bzw. -frei. Bei niedrigem Befallsgrad der Wirtschaftsv\u00f6lker k\u00f6nnen Brutscheunen nach Milbeneradikation zur Verst\u00e4rkung von V\u00f6lkern auf diese verteilt werden oder man f\u00fcttert sie auf und \u00fcberwintert sie als neue V\u00f6lker. Eigene Erfahrungen zeigen, dass diese V\u00f6lker durchaus vergleichbar mit anderen im n\u00e4chsten FJ sind, wenn die nachgezogenen K\u00f6niginnen &#8222;aus gutem Hause&#8220; stammen, sprich aus einer guten Linie.<\/p>\n<p>Ganz \u00e4hnlich wird im Verfahren der <strong>Brutunterbrechung<\/strong> gehandelt. Dazu wird in den Wirtschaftsv\u00f6lkern die jeweilige K\u00f6nigin herausgenommen und in ein Kompartiment eingesperrt, in dem sie ihre Eiablage weiter vornehmen kann. Diese Abteile k\u00f6nnen viele Formen haben &#8211; sog. Bannwabentaschen, eine Metallgittertasche mit Boden und Deckel, in die eine Brutwabe passt oder eine selbstgebaute Wabentasche mit geeignetem Boden und Gitter oder ganze Absperrgitter die vertikal in das Brutnest eingebracht werden. Die Gitter sind f\u00fcr die Bienen passierbar, jedoch nicht f\u00fcr die K\u00f6nigin, so dass diese nur auf der abgesperrten Wabe zur Eiablage kommt. Es gibt im Imkerhandel auch Kunststoffk\u00e4fige, die in eine Wabe eingebaut werden k\u00f6nnen, wo dann die K\u00f6nigin eingesperrt wird. Die Zellen dieser K\u00e4fige sind so konstruiert, dass sie nicht hoch genug sind und die Bienen die frischen Stifte immer wieder entfernen, so dass die K\u00f6nigin permanent legen kann.<\/p>\n<p>Bleiben die K\u00f6niginnen \u00fcber 24 Tage eingesperrt, ist aus jedem Ei au\u00dferhalb des Kompartiments mittlerweile eine Biene geworden, die auch geschl\u00fcpft ist. Da keine neuen Stifte mehr nachkommen (nur im abgesperrten Bereich), hat das Volk nach dieser Zeit keine verdeckelte Brut mehr, damit auch keine versteckten Milben, mit Ausnahme in der Wabe mit der K\u00f6nigin. Diese kann bei gut legenden K\u00f6niginnen auch nach 12 Tagen erneuert werden, sofern sie voll mit Brut belegt ist. Das hat den Vorteil, dass die Kapazit\u00e4t im Kompartiment vergr\u00f6\u00dfert wird: Milben schl\u00fcpfen in die nach 9 Tagen ausschlie\u00dflich im Kompartiment verf\u00fcgbaren offenen Brutzellen und reichern sich dort an, w\u00e4hrend au\u00dferhalb nur noch verdeckelte Brut vorhanden ist. Die zweite Wabe im Kompartiment, die nach z.B. 12 Tagen eingebracht wird, kann dann auch die zwangsl\u00e4ufig neuerlich schl\u00fcpfenden Milben aus der Brut au\u00dferhalb des Kompartiments aufnehmen. Nach 24 Tagen wird die K\u00f6nigin freigelassen, das Gitter entfernt und ggf. die noch nicht vollst\u00e4ndig verdeckelte Brut auf dieser Fangwabe im Volk belassen, bis alle Zellen verdeckelt sind. Damit kann man weitere Milben einfangen und entnehmen. Diese Fangwaben werden wie bei der TBE in Brutscheunen gesammelt oder direkt vernichtet, wenn der Milbenbefall zu hoch ist.<\/p>\n<p>Dieses biologische Verfahren kann auch mit einer Abschlussbehandlung kombiniert werden. Eine Kurzzeitbehandlung nach Freilassen der K\u00f6nigin und\/oder Entnahme der Fangwabe reduziert die noch auf den Bienen sitzende Milbenfraktion erheblich. Da zu dem Zeitpunkt noch keine neue Brut zur Verdeckelung ansteht (&lt; 9 Tage nach Befreiung der K\u00f6nigin), sind alle restlichen Milben auf den Bienen der Behandlung ausgeliefert.\u00a0<\/p>\n<p>Der Vorteil der Brutpause gegen\u00fcber der TBE ist einerseits der reduzierte materielle Aufwand (eine neue Mittelwand pro Volk, keine gro\u00dfe Menge an Brutscheunen) und v.a.D. der Zeitfaktor. In der Zeit hoher Arbeitsbelastung durch Honigernte, F\u00fcttern und Behandeln der V\u00f6lker kann durch das Einsperren der K\u00f6nigin die Zeit zur Varroabehandlung gestreckt werden. Zudem haben die Milben mehr Zeit zur Einwanderung in die gezielt offenen Brutzellen zur Verf\u00fcgung, was die Effizienz erh\u00f6ht. Das Verfahren befindet sich in meiner Imkerei momentan noch in der Probephase, soll bei Eignung k\u00fcnftig routinem\u00e4\u00dfig eingesetzt werden.<\/p>\n<p>An dieser Stelle noch eine Anmerkung zur <strong>Wirksamkeit der Ameisens\u00e4ure 60%ig in die verdeckelten Brutzellen:<\/strong> Durch das winzige Atemloch im Wachsdeckel kann Ameisens\u00e4uredampf eindringen. Vorausgesetzt, dieser ist idealerweise in der Konzentration ausreichend zur Abt\u00f6tung einer Milbe (Partialdruck in der Luft muss stimmen &#8211; feuchtigkeitsabh\u00e4ngig!), muss ber\u00fccksichtigt werden, dass die Muttermilbe sich im Futtersaft der jew. Larve aufh\u00e4lt. Dieser besteht aus Zucker- und Proteinl\u00f6sung. Letztere sind Substanzen mit sog. Pufferkapazit\u00e4t, d.h., die S\u00e4urewirkung wird infolge des Kontakts mit dem Futtersaft abgeschw\u00e4cht und die Milbe wenig bis gar nicht gesch\u00e4digt. Der Effekt, welcher sich einstellen kann ist eher dadurch gekennzeichnet, dass die Larve durch den S\u00e4uredampf gesch\u00e4digt (; denn sie liegt ja nicht vollst\u00e4ndig im Futtersaft) und deren Entwicklung gest\u00f6rt wird. Das erkennen die Bienen und r\u00e4umen diese Larven aus den verdeckelten Zellen aus, gleichzeitig auch die Milben. Dieses Verhalten l\u00e4sst sich auch bei sog. varroa sensitive hygiene-V\u00f6lkern beobachten, die Milben innerhalb von verdeckelten Zellen wahrnehmen k\u00f6nnen und diese ausr\u00e4umen. Wie dort kommt es unter Ameisens\u00e4urebehandlungen zum Ausr\u00e4umen der Brut, was zwar hilft, jedoch sind die Bienensch\u00e4digungen beachtlich, da die Ameisens\u00e4ured\u00e4mpfe in die Atem\u00f6ffnungen der Bienen (Tracheen) eindringt und diese verletzt. Dies erfolgt insbesondere bei Jungbienen&#8230;<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend eine Betrachtung zur <strong>Selektion von Bienenv\u00f6lkern<\/strong>, die mit der Varroamilbe einen Ko-existenzmodus aufgebaut haben, was durch die beschriebenen biologischen Verfahren besser erm\u00f6glicht wird. Herauszufinden, welche V\u00f6lker mit den Milben zurechtkommen, hei\u00dft nicht, dass diese keinen Milbenbefall haben. Ko-existenz von Bienen und Varroamilben bedeutet, die V\u00f6lker k\u00f6nnen die Milben auf einem bestimmten Level halten und deren Vermehrung dar\u00fcber hinaus verhindern. Um diese V\u00f6lker zu finden, eignen sich pauschale Behandlungsmethoden mit org. S\u00e4uren oder Akariziden nicht; denn sie reduzieren die Milben in hohem Ma\u00dfe, verhindern aber deren erneute Infektion von au\u00dfen oder von innen (aus der Brut) nicht. Die beschriebenen biologischen Methoden lassen Bienen und Imker die Chance, eine Neuentwicklung des Befalls zu erkennen und zu steuern. L\u00e4sst man z.B. die Behandlung nach der totalen Brutentnahme oder nach der K\u00e4figung der K\u00f6nigin weg, k\u00f6nnen die Bienen evt. neu befallene Zellen ausr\u00e4umen. Das bedeutet, man f\u00f6rdert die Erkennung solcher Zellen und deren Eradizierung durch die Bienen selbst.<\/p>\n<p>Praktisch bedeutet das eine nachfolgende permanenten Kontrolle des Milbenbefalls der so behandelten V\u00f6lker. In den Wochen nach TBE oder K\u00e4figen der K\u00f6niginnen werden von Zeit zu Zeit als Indikator herabfallende Milben auf einer sog. Varroaschublade gesammelt und ausgez\u00e4hlt. Es gibt Richtwerte, bei deren \u00dcberschreiten eine exakte Diagnose gemacht werden muss, um den Stand der Dinge zu erfassen, z.B., die Alkoholauswaschmethode von Bienenproben. Leider versterben die beprobten Bienen dabei, was aber angesichts der relativ hohen Sterberate mit hohen Schlupfzahlen von Jungbienen z.B. im August f\u00fcr ein Bienenvolk kein Problem darstellt. Diese Messung liefert einen exakten Befallsgrad der Ammenbienen aus dem Brutnest. Anhand dieser Werte kann man seine Handlungen entscheiden &#8211; keine Behandlung bei Befall &lt; 1 %, Beobachtung bei &gt; 1 % und Behandlung bei Befall &gt; 2 %. Die V\u00f6lker, die keinen langfristigen Ko-existenzmechanismus gefunden haben, sollen ja ebenfalls \u00fcberleben! Dagegen kommen die V\u00f6lker mit permanent geringem Befall auf jeden Fall in die Selektion f\u00fcr weitere Vermehrung. Dabei sind Parameter wie Honigleistung, Sanftmut usw. eher sekund\u00e4r, um vorerst die Kandidaten mit Milbenstabilit\u00e4t zu selektieren.<\/p>\n<p>Behandelt werden die erneut befallenen V\u00f6lker im August bis Oktober idealerweise mit sog. Blockbehandlungen, begleitet mit einer st\u00e4ndigen Kontrolle des Milbentotenfalls. Langzeitbehandlungen sind um diese Zeit oftmals wegen des Wetters nicht machbar.<\/p>\n<p>Die recht detaillierte Beschreibung der Ma\u00dfnahmen im Sommer gegen den Milbenbefall von Honigbienenv\u00f6lkern macht deutlich, wieviel Arbeit in der Betreuung liegt, die der Honigkonsument gar nicht kennt. Mittlerweile stellt die vorausschauende Varroareduktion im Sommer eine hohe Arbeitsspitze im Jahreslauf mit den Bienen dar, gew\u00e4hrleistet aber eine hohe \u00dcberlebensrate der V\u00f6lker \u00fcber den Winter. Die k\u00fcnftige Arbeit zu reduzieren und Selektion zu betreiben, ist der Ansporn f\u00fcr die Varroa-tolerante Biene.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Sommer &#8211; die Bienen sind nahe dem Entwicklungsh\u00f6hepunkt, die Honigr\u00e4ume sind gef\u00fcllt, die Brutnester sind gro\u00df &#8211; alles ist perfekt. Vieles ist nicht so wie es erscheint &#8211; das Problem lauert im Untergrund: Die Varroamilbe bedroht bekanntlich die Honigbienen. 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