{"id":281,"date":"2024-01-26T18:21:43","date_gmt":"2024-01-26T18:21:43","guid":{"rendered":"https:\/\/5seenhonig.com\/?p=281"},"modified":"2024-04-24T20:46:47","modified_gmt":"2024-04-24T20:46:47","slug":"bienenzucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/5seenhonig.com\/?p=281","title":{"rendered":"Bienenzucht"},"content":{"rendered":"\n<h5><strong>Diese Betrachtung kann nur eine grobe Beschreibung der Zuchtarbeit sein, um das Prinzip darzustellen. Es gibt sehr detaillierte Facetten bei der Zucht und Auswahl von Bienenk\u00f6niginnen, auf die hier nicht eingegangen werden kann.<\/strong><\/h5>\n\n\n<p>Unsere Honigbienen sind seit Jahrhunderten vom Menschen selektiert worden. Die urspr\u00fcnglichen &#8222;Zeidler&#8220;, die den Honig von V\u00f6lkern aus hohlen B\u00e4umen unter gro\u00dfen Anstrengungen geholt haben, sind l\u00e4ngst nicht mehr unterwegs. Die Beweggr\u00fcnde f\u00fcr eine domestizierte Biene haben sich immer wieder ge\u00e4ndert, den zeitlichen W\u00fcnschen angepasst. Ging es zu Zeiten der Zeitler im Wesentlichen um Bienenwachs und ein bisschen Honig f\u00fcr die Kerzenherstellung und Leckerei f\u00fcr die wohlhabenderen Menschen der Vergangenheit, hat sich in der b\u00e4uerlich gepr\u00e4gten Gesellschaft die Honigbiene als fester Bestandteil des Bauernhofs etabliert. Die sog. Heideimkerei ist ein typischer Vertreter dieser Art Bienenhaltung. Dort konnte man sich selbst die Dinge beschaffen, die einen Wert an sich darstellten &#8211; wohlschmeckenden Honig und Bienenwachs zur Kerzenherstellung.<\/p>\n\n\n\n<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/5seenhonig.com\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/20230527_0746421-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-266\" srcset=\"https:\/\/5seenhonig.com\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/20230527_0746421-768x1024.jpg 768w, https:\/\/5seenhonig.com\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/20230527_0746421-225x300.jpg 225w, https:\/\/5seenhonig.com\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/20230527_0746421-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/5seenhonig.com\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/20230527_0746421-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/5seenhonig.com\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/20230527_0746421-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ausgew\u00e4hlte Zuchtv\u00f6lker Mitte Juli vor der Sommerhonigernte<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p>Mit der modernen, industriell gepr\u00e4gten Gesellschaft seit 100 Jahren, waren haupts\u00e4chlich Menschen mit Bienen besch\u00e4ftigt, die mehr Freizeit hatten (Pfarrer, Lehrer, Forscher) und das komplexe System Bienenvolk zu verstehen suchten. Seit etwa 150 bis 100 Jahren nahm das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Vorg\u00e4nge im Bienenvolk zu &#8211; genannt seien hier M\u00e4nner wie Berlepsch, Dierzon, Gerstung &#8230;, und schlussendlich Karl von Frisch, der erstmals die Kommunikation der Bienen mit Hilfe des sog. Schw\u00e4nzeltanz&#8216; als &#8222;Navigationssystem&#8220; f\u00fcr neue Trachtquellen deuten konnte und daf\u00fcr den Nobelpreis erhielt.<\/p>\n<p>Nachfolgende Bienenforscher und Z\u00fcchter &#8211; zu nennen sind hier Lindauer, Golz, Bretschko, Seely und Karl Kehrle (Bruder Adam in der Buckfast Abbey, Devonshire, England). Letzterer hat die Buckfast Biene gez\u00fcchtet und ein Zuchtsystem begr\u00fcndet, das gute Eigenschaften von Bienen verschiedenster Herk\u00fcnfte eingekreuzt und diese Eigenschaften in dieser Biene gefestigt hat. Die &#8222;Buckfast-Biene&#8220; ist letztlich eine Zuchtstrategie und stellt ein System dar, das eine st\u00e4ndige Verbesserung der Bienen unter Einkreuzen und Verfestigen gew\u00fcnschter Eigenschaften anstrebt, unabh\u00e4ngig von der Herkunft. Darin unterscheidet sich diese Zielrichtung von anderen Zuchtbem\u00fchungen.<\/p>\n<p>Diese Bienenunterart hat sich neben der sog. K\u00e4rntner Biene (Apis mellifera carnica) und der Italienerbiene (Apis mellifera ligustica) in Europa etabliert. Der Bestand der ehemals verbreiteten schwarzen deutsche Biene (Apis mellifera mellifera) hat sich &#8211; bis auf Reste von z\u00fcchterischem Interesse &#8211; stark reduziert.\u00a0<\/p>\n<p>So wurden Bienen gez\u00fcchtet, die den jeweiligen zeitlichen Anforderungen und W\u00fcnschen der Imkerei dienten. Z.B. standen Resistenzen gegen Krankheiten im Fokus, sp\u00e4ter Eigenschaften wie Schwarmtr\u00e4gheit, Sanftmut und Honigleistung der jeweiligen V\u00f6lker.<\/p>\n<p>Die Herausforderung seit ca. 50 Jahren besteht in der Widerstandskraft der Bienenv\u00f6lker gegen den Parasiten <em>Varroa destructor<\/em>, einer Milbe, die aus S\u00fcdostasien in den 70er Jahren eingewandert ist und Bienenv\u00f6lker bis zu deren Tod sch\u00e4digen kann. Dieser Parasit ist weltweit in Bienenv\u00f6lkern verbreitet (2023 auch in Australien, wo verzweifelt der Import abgewehrt werden sollte!) und richtet Schaden von gro\u00dfem Ausma\u00df an. Damit ist der aktuelle Fokus der Zuchtbem\u00fchungen gesetzt.<\/p>\n<p><strong>Das &#8222;Milbenproblem&#8220; managen<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem die Varroamilbe nach Europa eingewandert war, wurden rasch <strong>synthetische Akarizide<\/strong> der Agrarindustrie zur Behandlung entwickelt. Diese waren anfangs sehr erfolgreich, jedoch gab \/ gibt es Nachteile: Das Wachs und damit in geringem Ma\u00dfe auch der Honig enth\u00e4lt Spuren dieser Substanzen. Weiterhin entwickeln die Milben Resistenzen gegen die meist Pyrethroid-basierten Mittel.<\/p>\n<p>Alternativ wurden und werden <strong>niedermolekulare organische S\u00e4uren<\/strong> eingesetzt &#8211; Ameisens\u00e4ure, Milchs\u00e4ure, Oxals\u00e4ure, die bei Brutfreiheit der V\u00f6lker eingesetzt werden k\u00f6nnen. Diese S\u00e4uren sind wasserl\u00f6slich und reichern sich nicht im Bienenwachs an.<\/p>\n<p><strong>Brutfreiheit<\/strong> ist eine entscheidende Voraussetzung, da die Milben sich nur in der verschlossenen Brutzellen vermehren k\u00f6nnen und diese Substanzen nur gering oder gar nicht in diese verdeckelte Bienenbrut wirksam sind. Sie gelangen bei der Behandlung schlicht nicht oder nur ungen\u00fcgend in die verschlossenen Brutzellen.<\/p>\n<p>Die Varroabehandlung mit org. S\u00e4uren oder synthet. Substanzen erfolgt nach der letzten Honigernte, um jegliche Kontamination des Honigs zu vermeiden.<\/p>\n<p>All diese Behandlungen stellen einen <strong>hohen Arbeitsaufwand<\/strong> f\u00fcr Imker dar und sind keine nat\u00fcrlichen Vorg\u00e4nge. Die Bienenv\u00f6lker geraten mehr oder weniger in Stress, kranke und geschw\u00e4chte Bienen versterben regelm\u00e4\u00dfig, was durchaus w\u00fcnschenswert sein kann, die V\u00f6lker erstarken aber i.d.R. nach der Behandlung.<\/p>\n<p><strong>Hilfe zur Selbsthilfe<\/strong><\/p>\n<p>Seit vielen Jahren gibt es Zuchtbem\u00fchungen bei den beiden wichtigsten Bienenunterarten Carnica und Buckfast Bienen, diese in einen Zustand zu versetzen, sich selbst der Varroamilbe zu entledigen (Carnicabienen &#8211; Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht \/ AGT, Buckfastbienen &#8211; div. Zuchtgemeinschaften der Bundesl\u00e4nder). Es gibt Bienenv\u00f6lker, die z.B. erkennen k\u00f6nnen, ob eine verdeckelte Brutzelle mit Milben befallen ist. Offensichtlich k\u00f6nnen diese Bienen es mit ihren Antennen &#8222;riechen&#8220;. Diese V\u00f6lker \u00f6ffnen in dem Falle die Brutzellen und entfernen die Brut und damit die jeweiligen Milben. Das t\u00f6tet sie zwar nicht ab, jedoch ist die Vermehrungsrate der Milben erheblich gest\u00f6rt. Dieses Verhalten und andere weitere Effekte zur Milbenabwehr wird unter VSH\/SMR-Verhalten subsummiert (<strong>v<\/strong>arroa <strong>s<\/strong>ensitive <strong>h<\/strong>ygiene \/ <strong>s<\/strong>uppressed <strong>m<\/strong>ite <strong>r<\/strong>eproduction). Durch intensive Anstrengung bestimmter Z\u00fcchter, Zuchtgemeinschaften konnten so K\u00f6niginnen und deren Bienenv\u00f6lker selektiert werden, die nahezu komplett unbehandelt den Milbenbefall in Schach halten. Wie geht das ?<\/p>\n<p>Um dies zu verstehen, muss man etwas \u00fcber die Genetik der Honigbiene wissen:<\/p>\n<p><strong>Lebenszyklus der Honigbiene<\/strong><\/p>\n<p>Ein Bienenstaat besteht aus der K\u00f6nigin, die f\u00fcr die Reproduktion sorgt, indem sie Eier legt, und aus Arbeiterinnen, welche die Brut pflegen und aufziehen und viele andere Aufgaben\u00a0im Bienenvolk erledigen. Von April bis August kommen noch Drohnen hinzu, die u.a. der Fortpflanzung dienen und junge K\u00f6niginnen begatten.<\/p>\n<p>Die K\u00f6nigin legt zwei Arten von Eiern &#8211; befruchtete und unbefruchtete. Dies kann sie anhand der Zellgr\u00f6\u00dfe der jeweiligen Wabe steuern &#8211; kleinere Zellen werden mit einem befruchteten Ei best\u00fcckt, gr\u00f6\u00dfere mit einem unbefruchteten Ei. Aus ersteren entstehen Arbeiterinnen (oder eine K\u00f6nigin), aus letzteren Drohnen. Damit sind die Drohnen letztlich ein Abbild der K\u00f6nigin, allerdings sind die Erbanlagen vor der sog. Reduktionsteilung (Meiose) nochmals in sich vermischt worden, so dass alle K\u00f6niginnengene weitergegeben werden, jedoch in unterschiedlicher Reihenfolge im Genom der Drohnen angeordnet sind. Infolge der Reduktionsteilung, bei der <strong>nur<\/strong> <strong>einer<\/strong> der beiden Chromosomens\u00e4tze vererbt wird, entstehen i.d.R. sog. <strong>haploide<\/strong> <strong>m\u00e4nnliche<\/strong> Bienen &#8211; die Drohnen. Sie haben damit nur eine Mutter, keinen Vater!<\/p>\n<p>Es gibt weitere Besonderheiten, die die Zucht der Honigbiene erschwert. So wird eine K\u00f6nigin von mehreren Drohnen begattet, so dass die Arbeiterinnen in einem Bienenvolk alle die gleiche Mutter, aber verschiedene V\u00e4ter haben k\u00f6nnen &#8211; man spricht hier von sog. Schwestergruppen.<\/p>\n<p>Die Selektion bestimmter genetisch bedingter Eigenschaften ist bei Honigbienen schwieriger als bspw. bei S\u00e4ugetieren, zumal <strong>nat\u00fcrliche, selektive Mechanismen<\/strong> existieren:<\/p>\n<ul>\n<li>haploide Drohnen<\/li>\n<li>Konkurrenz der Drohnen beim Begattungsflug<\/li>\n<li>Mehrfachbegattung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aus dem haploiden Chromosomensatz der Drohnen\u00a0folgt, dass Fehler \/ Defekte im Genom der Drohnen sich direkt ph\u00e4notypisch auswirken, da eine evt. Kompensation durch den <strong>nicht existenten<\/strong> <strong>zweiten<\/strong> Chromosomensatz fehlt. Ein Gendefekt kann somit den betreffenden Drohn von der Begattung ausschlie\u00dfen bzw. sich nachteilig im Konkurrenzkampf bei der Begattung auswirken.<\/p>\n<p>Bei der nat\u00fcrlichen Begattung von K\u00f6niginnen konkurrieren viele hundert Drohnen um eine K\u00f6niginnen. Dies f\u00fchrt zur Bestenauslese par excellence.<\/p>\n<p>Die Mehrfachbegattung gew\u00e4hrleistet eine breite genetische Basis auf der Vaterseite.\u00a0<\/p>\n<p>Kurz nach der Begattung und R\u00fcckkehr zum jeweiligen Bienenvolk beginnt die begattete K\u00f6nigin mit der Eilage und ein neues Volk baut sich auf und besteht fort.<\/p>\n<p>Diese Art der Vermehrung hat bestimmte Konsequenzen und Aspekte:<\/p>\n<ol>\n<li>Die Aufzucht mehrerer K\u00f6nginnen in einem Volk ohne K\u00f6nigin sichert, dass mindestens eine begattet wird, falls welche bei der Begattung verloren gehen (V\u00f6gel fangen Insekten, Verflug der K\u00f6nigin u.a.);<\/li>\n<li>Der Konkurrenzkampf bei der Begattung mit 100en von Drohnen sorgt f\u00fcr die Bestenauslese<\/li>\n<li>die Paarung mit mehreren Drohnen aus verschiedenen Herk\u00fcnften garantiert eine breite genetische Basis f\u00fcr das Bienenvolk, das es in die Lage versetzt, unterschiedliche Anforderungen zu meistern.<\/li>\n<\/ol>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/5seenhonig.com\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20220708_130233-300x225.jpg\" alt=\"\" class=\"alignnone wp-image-300 size-medium\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/5seenhonig.com\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20220708_130233-300x225.jpg 300w, https:\/\/5seenhonig.com\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20220708_130233-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/5seenhonig.com\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20220708_130233-768x576.jpg 768w, https:\/\/5seenhonig.com\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20220708_130233-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/5seenhonig.com\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20220708_130233.jpg 1672w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><strong>Auswahl, Zucht und Selektion<\/strong><\/p>\n<p>Um gezielt bestimmte Eigenschaften zu erhalten bzw. weiterzugeben, wird i.d.R. ein sehr gutes Bienenvolk herangezogen, dessen Leistungen herausragen &#8211; z.B. viel Honig eintr\u00e4gt, sanftm\u00fctig ist, kaum Schwarmneigung im Fr\u00fchjahr besitzt und die Varroamilbe in Schach halten kann (die Idealkombination). Zumeist findet man eine solche Kombination nicht und das eine oder andere Kriterium passt (noch) nicht. Darum muss ein Z\u00fcchter auf bestimmte Zuchtkriterien fokussieren und sp\u00e4ter die anderen Kriterien \u00fcber sog. Kreuzungen einbringen (d.h. <strong>Tochterk\u00f6niginnen<\/strong> von sehr guten Linien <strong>gezielt mit Drohnen<\/strong> anderer sehr guter Linien im Hinblick auf die Zuchtkriterien paaren)<\/p>\n<p>Die Eigenschaften werden genetisch allein durch die K\u00f6nigin bestimmt, deren Volk sie aufgebaut hat. Das gilt auch und insbesondere f\u00fcr die Drohnen, die ja genetisch ein Abbild der K\u00f6nigin sind.\u00a0<\/p>\n<p>Hat man bspw. eine K\u00f6nigin, deren Volk schwarmtr\u00e4ge und sanftm\u00fctig ist, infolgedessen auch noch \u00fcberdurchschnittlich Honig erzeugt, so w\u00e4hlt man dieses gern f\u00fcr die Nachzucht aus. Oft sind es Schwestergruppen, die von einer sehr guten K\u00f6nigin abstammen und deren gute Eigenschaften mehr oder weniger geerbt haben. Man sucht die Besten aus und zieht davon gezielt K\u00f6niginnen nach. Dies geht im aufstrebenden Fr\u00fchjahr bis zum Fr\u00fchsommer sehr gut.<\/p>\n<p>Diese Jungk\u00f6niginnen sollen f\u00fcr eine gezielte Zucht mit den gew\u00fcnschtem Drohnen gepaart werden. Dies kann durch mehrere Optionen erfolgen:<\/p>\n<ul>\n<li>Belegstellenbegattung<\/li>\n<li>instrumentelle Besamung<\/li>\n<li>Standbegattung mittels &#8222;Mondscheinbegattung&#8220;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine <strong>Belegstelle<\/strong> ist ein Reservoir von sog. Drohnenv\u00f6lkern, d.s. V\u00f6lker mit ausgew\u00e4hlten K\u00f6niginnen, die besondere Eigenschaften besitzen, welche von ihren Drohnen weitergegeben werden k\u00f6nnen. Rund 8 bis 10 km im Umkreis einer Belegstelle gibt es keine anderen Bienenv\u00f6lker, bestenfalls solche mit ausgew\u00e4hlten K\u00f6niginnen der entsprechenden Linien. Belegstellen finden sich oft auf Inseln, im Hochgebirge oder in d\u00fcnn besiedelten Landstrichen. Der Begattungserfolg liegt bei ca. 70 %.<\/p>\n<p>Dagegen stellt die <strong>instrumentelle Besamung<\/strong> eine elegante Methode der gezielten Paarung dar. Dabei werden reife Drohnen eines oder mehrerer V\u00f6lker mit selektierten K\u00f6niginnen genutzt und deren Sperma gesammelt. Dies erfolgt in entsprechenden Kan\u00fclen, die sp\u00e4ter f\u00fcr die Besamung der Jungk\u00f6niginnen genutzt werden. Jungk\u00f6niginnen, die geschlechtsreif sind, werden mit diesem gesammelten Drohnensperma besamt. Das Procedere wird mittels sog. Besamungsger\u00e4te unter einem geeignetem Mikroskop durchgef\u00fchrt. Dabei werden die jungen K\u00f6niginnen mittels Kohlendioxid eingeschl\u00e4fert und fixiert. Der ganze Prozess ist ziemlich kleinteilig und erfordert viel \u00dcbung, damit die K\u00f6niginnen nicht verletzt werden und ausreichend Sperma erhalten.<\/p>\n<p>Die sog. <strong>Mondscheinbegattung<\/strong> ist ein \u00e4lteres Verfahren, bei dem die Jungk\u00f6niginnen und Drohnen der jew. Drohnenv\u00f6lker tags\u00fcber eingesperrt werden. Dazu m\u00fcssen sie vor Licht gesch\u00fctzt und m\u00f6gl. k\u00fchl stehen, damit sie nicht nach au\u00dfen dr\u00e4ngen und dabei verletzt werden k\u00f6nnten. Am Abend, wenn die restlichen Drohnen wieder in ihren V\u00f6lkern sind, l\u00e4sst man K\u00f6niginnen und Drohnen frei fliegen, die im Idealfall zueinander finden. Der Begattungserfolg ist erstaunlich hoch und man bekommt quasi einen nat\u00fcrlichen Ablauf des Procederes.<\/p>\n<p>Neben diesen gezielten Zuchtmethoden gibt es die sog. <strong>Basiszucht<\/strong>. Darunter versteht man ebenso die Auswahl bestimmter hochwertiger K\u00f6niginnen als Spender der K\u00f6niginnenlarven. Diese werden \u00fcblicherweise dann im Rahmen einer sog. Standbegattung von den lokalen Drohnenpopulationen begattet und bauen entsprechend V\u00f6lker auf. Hier erfolgt deren Beurteilung und weitere Auswahl f\u00fcr den Zuchtfortschritt. Das Verfahren ist ein sehr nat\u00fcrlicher Prozess, dessen Fortschritt in der Auspr\u00e4gung der gew\u00fcnschten Merkmalen bisweilen sehr lange dauern kann, da ja die Drohnenpopulation in der Umgebung durch viele anderen Bienenv\u00f6lker vielf\u00e4ltig sein kann.<\/p>\n<p>Eine Unterst\u00fctzung dieses Verfahrens k\u00f6nnen verschiedene lokale Imkereigruppen erreichen, wenn sie zusammen arbeiten und gezielte Auswahl von K\u00f6niginnen, deren V\u00f6lker und Drohnen vorantreiben und die entsprechenden Drohnen aufziehen und fliegen lassen.<\/p>\n<p><strong>Zuchtziele und Perspektiven<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt viele Kriterien, die ein gutes Bienenvolk besitzen soll:<\/p>\n<ul>\n<li>Honigproduktion,<\/li>\n<li>Schwarmtr\u00e4gheit,<\/li>\n<li>Sanftmut,<\/li>\n<li>Wabenstetigkeit,<\/li>\n<li>Krankheitsresistenz,<\/li>\n<li>Parasitenabwehr usw.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Viele dieser Zuchtziele wurden mit allen genutzten Bienenarten \u00fcber viele Jahrzehnte von unz\u00e4hligen Z\u00fcchtern und Zuchtgemeinschaften erarbeitet, ebenso Kombinationen von verschiedenen Unterarten der Honigbienen sind gezielt angepaart worden. Die aktuell genutzten Bienenv\u00f6lker mit Zuchtk\u00f6niginnen befinden sich z\u00fcchterisch auf einem recht hohen Niveau im Vergleich zu denen, die vor 100 Jahren genutzt wurden.<\/p>\n<p>Eine der aktuell wichtigsten Selektionsziele bei der Zucht ist die sog. <strong>Varroastabilit\u00e4t<\/strong>. Aufgrund des verbreiteten Parasiten <em>Varroa destructor<\/em> sollen Bienenv\u00f6lker selbstst\u00e4ndig diese Milben in Schach halten k\u00f6nnen. Man hat verschiedene Mechanismen dabei gefunden, die unter dem Begriff &#8222;suppressed mite reproduction (SMR)&#8220; subsummiert werden. Damit bildet sich eine gleichgewichtige Koexistenz zwischen Parasit und Wirt heraus, der den Wirt, das Bienenvolk, und den Parasiten, die Milbe, \u00fcberleben l\u00e4sst. Solche V\u00f6lker \u00fcberleben \u00fcber Jahre ohne jegliche Varroabehandlung stabil.<\/p>\n<p>Aufgrund der Komplexit\u00e4t und des hohen Arbeitsaufwandes k\u00f6nnen derartige Zuchtfortschritte nur in sog. Zuchtgemeinschaften durchgef\u00fchrt werden, da viele K\u00f6niginnen entsprechend aufgezogen und gepaart werden m\u00fcssen bzw. deren V\u00f6lker bewertet werden m\u00fcssen. Dazu ben\u00f6tigt man eine sehr breite genetische Basis.<\/p>\n<p>In meiner Imkerei erfolgt gerade die Umstellung auf solche selektierten K\u00f6niginnen. Diese werden gemeinsam in der Zuchtgemeinschaft Buckfast Nord-Ost ausgew\u00e4hlt. In dieser Zuchtgemeinschaft finden sich Imkereien und Z\u00fcchter aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg sowie einige aus Schleswig-Holstein und Hamburg. Gemeinsam werden von den besten K\u00f6niginnen T\u00f6chter gezogen und diese selektiv mittels instrumenteller Besamung besamt. Daraus gebildete Kleinstv\u00f6lker werden auf \u00dcberwinterungsst\u00e4rke gebracht, ggf. auf Milbenresistenz getestet. Dazu wird im Sp\u00e4tsommer eine definierte Anzahl lebender Varroamilben in das jeweilige Volk gegeben wird und dieses nach einem zeitlichen Vorlauf auf das sog. Ausr\u00e4umverhalten untersucht. Dies erfolgt mittels mikroskopischer Diagnostik einer bestimmten Menge an verdeckelten Brutzellen auf Varroabefall. Eine sehr gute K\u00f6nigin und deren Bienen lassen keine Milben in der Brut, sondern r\u00e4umen die milbenbefallene Brut aus. Dies ist dann ein Ma\u00df f\u00fcr das o.g. vsh-Verhalten und stellt ein wichtiges Selektionskriterium dar. Nur die besten K\u00f6niginnen werden weiter vermehrt und im Laufe der Generationen weitere gew\u00fcnschte Zuchtkriterien selektiert (s.o.).<\/p>\n<p>Mittlerweile habe ich bei etwa 30 % meiner Bienenv\u00f6lker keine Varroabehandlung mehr durchgef\u00fchrt. Bei den restlichen 70 % der V\u00f6lker wurde im letzten Jahr erstmalig ausschlie\u00dflich ein biotechnisches Verfahren eingesetzt, ohne weiteren Einsatz von org. S\u00e4uren o.\u00e4.<\/p>\n<p>Behandlungen gegen die Varroamilben konnten sich auf wenige V\u00f6lker beschr\u00e4nken, die per September wieder h\u00f6heren Milbenbefall aufwiesen. Deren K\u00f6niginnen werden im Laufe der weiteren Zuchtarbeit durch entsprechend ausgew\u00e4hlte Jungk\u00f6niginnen aus der instrumentellen Besamung ersetzt. Daraus folgt, dass der Bestand Zug um Zug sich in Richtung Varroastabilit\u00e4t bewegt.<\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Betrachtung kann nur eine grobe Beschreibung der Zuchtarbeit sein, um das Prinzip darzustellen. Es gibt sehr detaillierte Facetten bei der Zucht und Auswahl von Bienenk\u00f6niginnen, auf die hier nicht eingegangen werden kann. Unsere Honigbienen sind seit Jahrhunderten vom Menschen selektiert worden. 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