{"id":81,"date":"2019-12-29T15:40:45","date_gmt":"2019-12-29T15:40:45","guid":{"rendered":"http:\/\/5seenhonig.com\/?p=81"},"modified":"2021-12-23T14:19:32","modified_gmt":"2021-12-23T14:19:32","slug":"winterbehandlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/5seenhonig.com\/?p=81","title":{"rendered":"Winterbehandlung"},"content":{"rendered":"\n<p>Die dunkelste Jahreszeit &#8211; es bewegt sich bei den Bienen nichts mehr. Oder doch ? &#8211; Immer wieder werde ich gefragt, ob die Bienen im Winter schlafen. Das tun sie sicher auch, jedoch nicht generell, d.h., sie halten keinen Winterschlaf.<\/p>\n<p>Bienen ziehen sich bei k\u00e4lteren Temperaturen zu einer sog. Bienentraube zusammen, in der sie sich gegenseitig w\u00e4rmen. Teilweise sitzen sie in den leeren Zellen des ehemaligen Brutnests in den Waben, teilweise sitzen sie zwischen den Waben in den sog. Wabengassen und &#8222;zittern&#8220; sich mit der Flugmuskulatur warm. Die Bienentraube kann im Winter dauerhaft Temperaturen von innen ca. 20 bis 25 \u00b0C und im \u00e4u\u00dferen Bereich 5 &#8211; 10 \u00b0 C erzeugen. Dabei heizen die Bienen immer nur diesen Bereich, in dem sie sich aufhalten, niemals deren Umgebung. Die Isolierung der Traube durch die sog. H\u00fcllbienen ist so gut, dass nur geringstm\u00f6gliche W\u00e4rmeverluste auftreten. Physikalisch enth\u00e4lt die Kugelform das gr\u00f6\u00dfte Volumen bei kleinster Oberfl\u00e4che. Instinktiv n\u00e4hern sich die Bienen dieser optimalen Form an und k\u00f6nnen so mit geringsten W\u00e4rmeverlusten den Winter \u00fcberstehen. Dabei sind die H\u00fcllbienen schon in Bewegung und kriechen in das Traubeninnere, um sich aufzuw\u00e4rmen. Somit findet ein st\u00e4ndiger Austausch am Rand der Bienentraube statt, so dass keine Biene erfrieren kann. Verliert jedoch eine Biene Kontakt zur Traube, wird sie schnell erstarren.<\/p>\n<p>Dem Winter kommt somit eine starke Selektionsrolle zu, in dem schwache Individuen bzw. zu schwache V\u00f6lker keine Chance zum \u00dcberleben haben und versterben.<\/p>\n<p>Das Bienenvolk muss ausreichend viele Individuen besitzen, um gen\u00fcgend W\u00e4rme zu erzeugen (&gt; 6000 Bienen). Als Energielieferant dient das eingelagerte Winterfutter \/ der Honig. Um dies zu nutzen, m\u00fcssen die Bienen den Bereich um die Bienentraube st\u00e4ndig mit Futter versorgt halten. Die &#8222;in house-Logistik&#8220; ist dabei sehr ausgefeilt: An w\u00e4rmeren Tagen\/Perioden dehnt sich die Bienentraube aus und das Futter um die Traube wird erw\u00e4rmt, so dass die Bienen es aufnehmen k\u00f6nnen. Zus\u00e4tzlich holen die Bienen Futter aus den entfernteren Waben und tragen es zum Bienensitz. Bleibt es dauerhaft kalt, w\u00e4rmt sich die Traube selbst auf 25 &#8211; 30 \u00b0C auf und verlagert sich zum Futter hin. Durch diesen Mechanismus gew\u00e4hrleisten die Bienen ihre gute Versorgung mit Futter.<\/p>\n<p>Die noch vorhandenen Milben werden mit der Winterbehandlung bei m\u00f6glichst Brutfreiheit durch eine gezielte Ma\u00dfnahme entfernt. Dazu erfolgt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt Anfang bis Mitte Dezember eine Oxals\u00e4urebehandlung. Die Oxals\u00e4ure (Klees\u00e4ure) ist eine nat\u00fcrlich vorkommende S\u00e4ure, die in vielen Lebensmitteln vorhanden ist (Rhabarber, Spinat u.a.). Sie wirkt als L\u00f6sung, wenn man sie auf die Bienentraube tr\u00e4ufelt. Die Bienen verteilen dann durch ihre Eigenbewegung die L\u00f6sung, so dass sie in der Traube weitergegeben wird.<\/p>\n<p>Am schonendsten ist jedoch die Sublimation von Oxals\u00e4ure, die durch Erw\u00e4rmen vom festen in den gasf\u00f6rmigen Zustand \u00fcbergeht, um dann gleich wieder aus der Gasphase als feinster Staub zu &#8222;kondensieren&#8220; (re-sublimieren). Dieser Staub schl\u00e4gt sich im Bienenstock dann auf allen Oberfl\u00e4chen, einschl. der Bienen nieder. Dort nehmen ihn die Milben auf und werden innerlich \u00fcbers\u00e4uert, woran sie letztlich zugrunde gehen. Nachfolgendes Diagramm zeigt die Dynamik des Milbentotenfalls nach der vorgenannten Winterbehandlung:<\/p>\n\n\n\n\n<div id=\"attachment_82\" style=\"width: 951px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-82\" width=\"941\" height=\"490\" class=\"wp-image-82 size-full\" alt=\"\" src=\"https:\/\/5seenhonig.com\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Winterb2018-3_html_152fb42a.gif\"><p id=\"caption-attachment-82\" class=\"wp-caption-text\">Beispielhafter Milbenfall nach Oxals\u00e4urebehandlung f\u00fcr 4 Bienenv\u00f6lker<\/p><\/div>\n\n\n<p>Die Grafik zeigt, dass nach ca. 10 Tagen der Milbentotenfall nahezu beendet ist. Das Volk 2 hat mit den h\u00f6chsten Milbenfall, das Volk 15 den geringsten. Insgesamt fielen bei diesen V\u00f6lkern &lt; 100 Milben innerhalb der 10-Tagesfrist, was als geringe Restbelastung f\u00fcr V\u00f6lker mit einer St\u00e4rke von ca. 8.000 &#8211; 10.000 Bienen im Dezember gilt (&lt; 1 %). Im Winter 2018\/19 haben all&#8216; diese V\u00f6lker \u00fcberlebt und im Fr\u00fchjahr gut ausgewintert. Die Winterbehandlung ist ein wichtiger Baustein im Varroa-Behandlungskonzept, da zu diesem Zeitpunkt so gut wie keine verschlossene Brut im Volk existiert und somit die Milben komplett auf den Bienen sitzen m\u00fcssen, wo sie durch vorgenannten Ma\u00dfnahmen erreichbar sind. Eine zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Mitteln durchgef\u00fchrt Winterbehandlung dezimiert die Milbenlast um 95 %. Die V\u00f6lker gehen dann nahezu ohne Parasitenbelastung in das neue Fr\u00fchjahr.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die dunkelste Jahreszeit &#8211; es bewegt sich bei den Bienen nichts mehr. Oder doch ? &#8211; Immer wieder werde ich gefragt, ob die Bienen im Winter schlafen. Das tun sie sicher auch, jedoch nicht generell, d.h., sie halten keinen Winterschlaf. Bienen ziehen sich bei k\u00e4lteren Temperaturen zu einer sog. 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