Honig – was ist das ?

Honig – seit 100en von Jahren ein besonderes Produkt der Natur. Es war in frühen Zeiten eine Besonderheit, da die Gewinnung mit hohem Risiko verbunden war. Ursprünglich waren die „Zeidler“ angesehene Leute, weil sie sich in Gefahr begaben, um wilden Bienenvölkern den Honig zu entnehmen.

Die Zeiten sind schon lange vorbei. Heute ist hierzulande Honig breit verfügbar. Dabei wird etwa 80 % des jährlich verbrauchten Honigs importiert und nur etwa 20 % durch inländische Imkereien erzeugt.  Warum das so ist, hat viele Ursachen und soll in einem separatem Beitrag erörtert werden – nur soviel, es geht mal wieder um den Preis, vielfach nicht aber um die Qualität!

Honig als Futtervorrat

Honig ist zuerst einmal eine von der Natur entwickelte, geschickte Weise der Vorratshaltung von Honigbienen. Die Bienen sammeln zuckerhaltigen Nektar von Blüten und ggf. Honigtau von Blättern, tragen ihn in ihren Stock und bearbeiten diesen, bis er eine konzentrierte, haltbare viskose Lösung darstellt.

„Bearbeiten“ heißt, sie nehmen wasserhaltigen Nektar mit ca. 45 % Wasser auf, spalten mit Hilfe von Enzymen (Invertase) in ihrem Speichel den enthaltenen Zweifachzucker Saccharose (entspricht unserem Haushaltszucker) in dessen Bestandteile Traubenzucker (Glukose) und Fruchtzucker (Fruktose) und zwar im Verhältnis 1 : 1. Dies erfolgt im Bienenstock fortwährend, indem die Bienen die Zuckerlösung aufnehmen und an ihre Schwestern weitergeben. Man bezeichnet diesen Prozess Trophallaxis, sprich ein gegenseitiges „Füttern“ mit der Zuckerlösung. Dabei wird nicht nur Saccharose in Glukose und Fruktose gespalten, sondern auch Wasser verdunstet. Imker nennen diesen Prozess „Umtragen des Honigs“. Dieser wird eingelagert und immer wieder umgelagert, d.h. durch die Bienen aufgenommen, weitergegeben und in anderen Zellen wieder abgelagert. Über längere Zeit erfolgt somit mittels Umtragen eine Spaltung des Zuckers in zwei Einfachzucker und eine Aufkonzentrierung durch Wasserentzug bis endlich weniger als 20 % Wasser enthalten ist. Die Bienen erkennen dann, dass der Honig „reif ist“ und verschließen die Zellen mit einem Wachsdeckel. Somit ist der Honig hermetisch abgedichtet, vor Wasser geschützt und kann als Vorrat bis zum nächsten Frühjahr gelagert werden, ohne dass dessen Qualität leidet (Gärung durch Wasseraufnahme, Befall durch andere Insekten – Räuberei).

Chemisch/physikalisch stellt Honig einfach betrachtet eine übersättigte Zuckerlösung dar. Das bedeutet, die wässrige Lösung enthält – neben vielen anderen wertvollen Stoffen – mehr Zucker, als sie eigentlich aufnehmen kann. Wie geht das ?

Die Löslichkeit von Substanzen in flüssigen Medien ist abhängig von der Temperatur. Im kalten Medium löst sich weniger als im warmen Medium – generell. Wenn nun bei ca. 30 °C im Bienenstock die Zuckerlösung aufkonzentriert wird, löst sich mehr Zucker im Wasser als außerhalb der Bienenwohnung, weil es in der überwiegenden Zeit des Jahres innen wärmer ist als außen. Entnimmt man den Honig bei der Ernte und dieser kühlt z. B. auf 15 °C ab, erfolgt – abhängig von den enthaltenen Zuckeranteilen – Kristallisation, der Honig wird hart, besonders Frühjahrshonige.

Neben der Temperatur bewirkt ein zweiter Aspekt die Löslichkeit des Zuckers: Infolge der Spaltung von Saccharose in Glukose und Fruktose erhält man eine andere spezifische Löslichkeit für die beiden Komponenten gegenüber der ursprünglichen Saccharose. Dabei besitzt Fruktose eine höhere spezifische Löslichkeit in Wasser als Glukose; fast doppelt soviel lässt sich in gleicher Menge Wasser lösen. Mit diesem Trick der Zuckerspaltung bewirken Honigbienen das Kunststück, den Winter zu überleben. Denn bei kalten Temperaturen < 0 °C erkalten die Futterwaben, weil die Bienen sich in einer Wintertraube zusammenziehen und die Waben nicht mehr überall wärmen. Würde das eingelagerte Futter – der Honig – nur Glukose enthalten, käme es zur Auskristallisation des Zuckers und die Bienen müssten verhungern. Sie können im Winter keine feste Nahrung aufnehmen und diese verflüssigen – es ist zu kalt zum Wasser holen. Wie immer bei natürlichen Vorgängen, geht nichts zu 100 %. Somit bleibt die Spaltung der Saccharose in die beiden Bestandteile Fruktose und Glukose unvollständig. Dennoch bewirkt die so veränderte Zusammensetzung, dass das Futter im Bienenstock im Winter bis weit unter 0 °C flüssig bleibt, was den Bienen ihr Überleben im Winter sichert. Ein evolutionäres Husarenstück !

Honig als Lebensmittel

Eine Betrachtung aus der menschlichen Perspektive sieht da ganz anders aus:

Als reinen Honig – unverfälscht mit Bedacht und entsprechender Behandlung geerntet und bearbeitet, nicht unnötig Temperaturbelastung ausgesetzt – stellt er etwas Besonderes dar. Neben Zucker enthält Honig Aminosäuren und Enzyme, Mineralien und eine Vielzahl weiterer Begleitstoffen, die ihm unverwechselbare Eigenschaften verleihen.

Blütennektar entsteht am Blütenboden und setzt sich zusammen aus den o.g. drei Zuckern Saccharose, Fruktose und Glukose. Es gibt auch Nektar aus sog. extrafloralen Nektarien, d.s. Pflanzenorgane, die außerhalb der Blüten zuckerhaltigen Saft absondern, der von den Honigbienen gesammelt wird (Kornblume, Linde usw.).

Eine andere Nektarquelle stellen die Honigtaunektare dar. Das sind Absonderungen von Läusen wie Lecanien, die z.B. junge Pflanzentriebe besiedeln, dort zucker- und stärkehaltigen Pflanzensaft aus dem Transport in die Wurzeln absaugen und verstoffwechseln. Die süßen Ausscheidungen dieser Läusekolonien nehmen die Bienen, aber auch Ameisen oder Käfer auf.  Diese Nektarquellen haben ein größeres Zuckerspektrum – Saccharose, Fruktose, Glukose, Maltose, Isomaltose, Raffinose, Melizitose u.a. Der daraus von den Bienen erzeugte Honig ist meist sehr würzig.

Honig ist ein sehr regionales Naturprodukt. Er ist jedes Jahr etwas anders, weil die Blütenfolge sich mit den jährlichen Wetterverhältnissen ändert. Zudem gibt es in jeder Region nur spezifisch sog. Trachtpflanzen und ebenso deren Mengenverteilung, z.B. zwischen Blüten- und Honigtauhonigen. So bildet der Honig die jeweilige Landschaft in seinem Geschmack und Konsistenz ab. Variationen ergeben sich durch veränderte jährliche Wetterzyklen, die bestimmen, wann die Pflanzen blühen, welche zusammen von den Bienen beflogen werden und wie sich die Reihenfolge im gewonnenen Honig niederschlägt. Der Honig ist der Bruder des Weins – in Variationsbreite, Vielfalt und regionaler Besonderheit steht er dem Wein in nichts nach.

Gewinnung / Ernte

Der reife (von den Bienen verdeckelte) Honig wird entnommen, nachdem die sog. Honigräume – d.s. die oberen Zargen des Bienenstocks – möglichst bienenfrei gemacht wurden. Dies lässt sich mittels sog. Bienenflucht erreichen, die ein Labyrinth darstellt, durch das die Bienen nur nach unten, aber nicht zurück nach oben laufen können. Honigräume mit gefüllten Waben sind sehr schwer – zwischen 15 und 25 kg / Zarge. Das bedeutet Schwerstarbeit für den Imker und nicht wenige haben schon mal Probleme mit dem Rücken; denn der Bienenstand ist oft etwas weiter von dem Raum zur Honiggewinnung entfernt, sprich dazwischen muss verladen, transportiert und entladen werden.

Die gesammelten Waben werden sodann mittels geeignetem Werkzeug (Entdeckelungsgabel oder -messer) von den Wachsdeckeln befreit, was ein sehr klebriges Geschäft ist und mittels einer Zentrifuge (Schleuder) der flüssige Honig aus den Wabenzellen gewonnen. Über mehrere Siebe werden die enthaltenen Wachspartikel zurückgehalten und man gewinnt einen vorgereinigten Honig, der noch kleine Wachspartikel und Luftblasen enthält. Nach 1 bis 2 Tagen schwimmen diese auf der Oberfläche und können als Schaum abgetragen werden. Damit erfolgt eine schonende und Gewinnung dieses Naturprodukts ohne thermische Belastung oder anderer schädlichen Einflüsse. Manchmal zu findende Hinweise wie „kalt geschleudert“ o.ä. sind irreführend – echter Bienenhonig wird geschleudert wie er ist, üblicherweise ohne Erwärmung.

Ähnlich wie bei der Mostgewinnung aus Trauben, misst man beim Honig zwar nicht den Zucker- aber den Wassergehalt mittels Refraktometer. Dieser sollte unterhalb von 20 % liegen, für DIB-Qualität (nach Regularien des Deutschen Imkerbundes) unterhalb von 18 %. Je niedriger der Wassergehalt, um so länger ist der Honig haltbar.

Nach den vorgenannten Arbeitsschritten erfolgt die Kristallisation des Honigs, da er sich langsam abkühlt. Um einen cremigen, streichfähigen Honig zu erhalten, der nicht fest im Glas wird, muss man ihn lebensmitteltechnisch bearbeiten. Frühjahrshonige enthalten i.d.R. mehr Glukose als Fruktose und kristallisieren schneller als Sommerhonige. Das bedeutet, es muss schnell gearbeitet werden.

Zur gezielten Kristallisation wird bei mir der noch flüssige Honig über ein Feinsieb gegeben und in den Kristallisationsbehälter gefüllt. Dieser ist mit einem Rührwerk ausgerüstet und kann im Idealfall von außen temperiert werden. Mittels einer gezielten Kombination von Kühlen und Rühren in festgelegten Zeitabständen lässt sich so ein cremiger Honig erzeugen, der nicht fest ist, nicht aus dem Glas läuft aber streichfähig bleibt. Es ist eine Kunst, die richtige Konsistenz gezielt herzustellen; denn die Zusammensetzung der Honige bestimmt neben der Temperatur deren Kristallisationsverhalten. Hat der Honig die richtige Konsistenz, wird er in Gläser abgefüllt und etikettiert.

Sommerhonige, die i.d.R. mehr Fruktose enthalten, kristallisieren relativ schlecht. Manche bleiben immer flüssig, wie z.B. Robinienhonig. Füllt man diese Honige unbearbeitet in Gläser ab, kommt es mit der Zeit zu einer Veränderung: Sie nehmen eine Gel-artige Konsistenz an und können sehr grobe Kristalle bilden. Der Honig wird „sandig“. Um dies zu vermeiden, bedarf es einer sehr gezielten, temperaturgesteuerten Kristallisation unter Rühren (s.o.), die verstanden werden will. Gelingt dies, findet der Kunde einen qualitativ hochwertigen Honig im Glas vor, der

  • nicht thermisch belastet wurde
  • dem nichts entnommen
  • dem nichts zugesetzt wurde
  • der mittels rein mechanischer Methoden in die gewünschte Form gebracht wurde 
  • der von einzigartigem Geschmack für das Jahr, Jahreszeit und die Region ist
  • der neben Zucker Mineralien, Aminosäuren Enzyme und andere wertvolle Stoffe enthält
  • und der lange haltbar ist.

Ausgewählte Fakten….

  • Honig ist per Definition max. 2 Jahre haltbar (aber auch länger)
  • für 500 g Honig besuchten die Bienen insgesamt 5 Mio. Blüten,
  • das sind leicht ca. 5 Mio. km
  • Ein gesundes Bienenvolk benötigt pro Jahr ca. 100 kg Honig für sich selbst
  • Imker ernten nur den Überschuss von 30 + kg jährlich, d.h., das Volk erzeugt mindestens 130 kg Honig jährlich
  • Imker füttern pro Jahr ca. 15 kg Zucker / Volk als Ersatz für die Wintervorräte auf
  • Bienenvölker überwintern problemlos auf reinem Zucker-haltigem Futter, wobei immer ein Teil des Honigs in den Völkern verbleibt, um eine optimale Ernährung zu gewährleisten

 

Winterbehandlung

Die dunkelste Jahreszeit – es bewegt sich bei den Bienen nichts mehr. Oder doch ? – Immer wieder werde ich gefragt, ob die Bienen im Winter schlafen. Das tun sie sicher auch, jedoch nicht generell, d.h., sie halten keinen Winterschlaf.

Bienen ziehen sich bei kälteren Temperaturen zu einer sog. Bienentraube zusammen, in der sie sich gegenseitig wärmen. Teilweise sitzen sie in den leeren Zellen des ehemaligen Brutnests in den Waben, teilweise sitzen sie zwischen den Waben in den sog. Wabengassen und „zittern“ sich mit der Flugmuskulatur warm. Die Bienentraube kann im Winter dauerhaft Temperaturen von innen ca. 20 bis 25 °C und im äußeren Bereich 5 – 10 ° C erzeugen. Dabei heizen die Bienen immer nur diesen Bereich, in dem sie sich aufhalten, niemals deren Umgebung. Die Isolierung der Traube durch die sog. Hüllbienen ist so gut, dass nur geringstmögliche Wärmeverluste auftreten. Physikalisch enthält die Kugelform das größte Volumen bei kleinster Oberfläche. Instinktiv nähern sich die Bienen dieser optimalen Form an und können so mit geringsten Wärmeverlusten den Winter überstehen. Dabei sind die Hüllbienen schon in Bewegung und kriechen in das Traubeninnere, um sich aufzuwärmen. Somit findet ein ständiger Austausch am Rand der Bienentraube statt, so dass keine Biene erfrieren kann. Verliert jedoch eine Biene Kontakt zur Traube, wird sie schnell erstarren.

Dem Winter kommt somit eine starke Selektionsrolle zu, in dem schwache Individuen bzw. zu schwache Völker keine Chance zum Überleben haben und versterben.

Das Bienenvolk muss ausreichend viele Individuen besitzen, um genügend Wärme zu erzeugen (> 6000 Bienen). Als Energielieferant dient das eingelagerte Winterfutter / der Honig. Um dies zu nutzen, müssen die Bienen den Bereich um die Bienentraube ständig mit Futter versorgt halten. Die „in house-Logistik“ ist dabei sehr ausgefeilt: An wärmeren Tagen/Perioden dehnt sich die Bienentraube aus und das Futter um die Traube wird erwärmt, so dass die Bienen es aufnehmen können. Zusätzlich holen die Bienen Futter aus den entfernteren Waben und tragen es zum Bienensitz. Bleibt es dauerhaft kalt, wärmt sich die Traube selbst auf 25 – 30 °C auf und verlagert sich zum Futter hin. Durch diesen Mechanismus gewährleisten die Bienen ihre gute Versorgung mit Futter.

Die noch vorhandenen Milben werden mit der Winterbehandlung bei möglichst Brutfreiheit durch eine gezielte Maßnahme entfernt. Dazu erfolgt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt Anfang bis Mitte Dezember eine Oxalsäurebehandlung. Die Oxalsäure (Kleesäure) ist eine natürlich vorkommende Säure, die in vielen Lebensmitteln vorhanden ist (Rhabarber, Spinat u.a.). Sie wirkt als Lösung, wenn man sie auf die Bienentraube träufelt. Die Bienen verteilen dann durch ihre Eigenbewegung die Lösung, so dass sie in der Traube weitergegeben wird.

Am schonendsten ist jedoch die Sublimation von Oxalsäure, die durch Erwärmen vom festen in den gasförmigen Zustand übergeht, um dann gleich wieder aus der Gasphase als feinster Staub zu „kondensieren“ (re-sublimieren). Dieser Staub schlägt sich im Bienenstock dann auf allen Oberflächen, einschl. der Bienen nieder. Dort nehmen ihn die Milben auf und werden innerlich übersäuert, woran sie letztlich zugrunde gehen. Nachfolgendes Diagramm zeigt die Dynamik des Milbentotenfalls nach der vorgenannten Winterbehandlung:

Beispielhafter Milbenfall nach Oxalsäurebehandlung für 4 Bienenvölker

Die Grafik zeigt, dass nach ca. 10 Tagen der Milbentotenfall nahezu beendet ist. Das Volk 2 hat mit den höchsten Milbenfall, das Volk 15 den geringsten. Insgesamt fielen bei diesen Völkern < 100 Milben innerhalb der 10-Tagesfrist, was als geringe Restbelastung für Völker mit einer Stärke von ca. 8.000 – 10.000 Bienen im Dezember gilt (< 1 %). Im Winter 2018/19 haben all‘ diese Völker überlebt und im Frühjahr gut ausgewintert. Die Winterbehandlung ist ein wichtiger Baustein im Varroa-Behandlungskonzept, da zu diesem Zeitpunkt so gut wie keine verschlossene Brut im Volk existiert und somit die Milben komplett auf den Bienen sitzen müssen, wo sie durch vorgenannten Maßnahmen erreichbar sind. Eine zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Mitteln durchgeführt Winterbehandlung dezimiert die Milbenlast um 95 %. Die Völker gehen dann nahezu ohne Parasitenbelastung in das neue Frühjahr.

 

 

November 2019

Herbstbienen

Volksentwicklung

Sobald die Tage kürzer werden, beginnen sich die Bienen in ihre Behausungen zurückzuziehen. Nur noch bei mittaglichem Sonnenschein und Temperaturen oberhalb von 10 °C werden die Bienenkästen (Beuten) umflogen. Einzelne Bienen sind bei der Temperatur noch auf Pollensammlung aus und fliegen etwas weiter, jedoch keine großen Entfernungen mehr. Andere sammeln noch Wasser. Sobald am frühen Nachmittag die Schatten länger werden, ziehen sich die Bienen wieder zurück.

Wenn die Nachttemperaturen unter 5 °C absinken, ziehen sich die Bienen in den Beuten immer enger zusammen. Sitzen sie bspw. tagsüber auf 7 oder 8 Wabengassen, so finden sich früh am Morgen nach kälterer Nacht oft nur noch 4 bis 5 Wabengassen voll Bienen.

Bei diesen Verhältnissen wird das Brutgeschäft stark reduziert (bspw. auf nur einer Wabe kleine Brutflächen gepflegt) und nach den ersten Frostnächten gänzlich eingestellt. Dies geschieht nicht abrupt, sondern behutsam indem Eier und ganz junge Larven ausgeräumt bzw. aufgefressen werden. Die verdeckelte Brut, in denen sich die Wandlung von der Larve zur Biene vollzieht (Metamorphose), wird bis zum endgültigen Schlupf weitergepflegt. Etwa 3 Wochen nach der ersten Frostperiode sind dann die Völker brutfrei.

 

 

Was ist jetzt noch zu tun ?

Um diese Zeit benötigen die Bienen vor allen Dingen Ruhe. Sie ordnen die Futtervorräte in den Waben so, dass um das ehemalige Brutnest herum flüssiges Futter einngelagert ist. Dazu holen sie von entfernt liegenden Waben Futter und lagern es um das ehemalige Brutnest ein. Diese „in house“ Logistik ist eine sehr wichtige Bedingung für das Überleben von Bienenvölkern im Winter. Sind Barrieren im Bienenstock vorhanden wie z.B. vergessene Schiede (Begrenzungsbrettchen) zwischen den Waben oder mangelnder Platz zum Belaufen der Oberträger der Rahmen im Bienenstock durch dicht anliegende Folien oder Deckelmaterialien kann es zum sog. Futterabriss kommen, d.h., die Bienen können bei niedrigen Temperaturen das Futter von entfernten Waben nicht aufnehmen und zum Wintersitz transportieren. Somit verhungern sie trotz verfügbarem Futter. Das passiert selten bei starken Völkern mit vielen Individuen, jedoch zu schwache Einheiten mit wenigen Bienen sind dadurch gefährdet.

Die jetzt leeren Zellen des früheren Brutbereichs sind wichtig, um den Wärmehaushalt bei niedrigen Temperaturen aufrecht zu erhalten. Die Bienen sitzen in den Wabenzellen und heizen sich und die Umgebung auf. Je niedriger die Außentemperaturen fallen, um so enger sitzen die Bienen in diesem Bereich. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt oder weit darunter bilden die Bienen eine sog. Wintertraube – abhängig vom Beutenmaterial: In Holzbeuten erfolgt die Traubenbildung früher als in Styroporbeuten, da letztere eine bessere Isolierwirkung haben. Dabei wird nicht die Beute an sich (wie unsere Wohnungen) gewärmt, sondern nur der Bienensitz selst. Dieser strahlt natürlich Wärme nach außen ab, die dann von den besser isolierenden Styroporwänden reflektiert wird und so eine wärmere Außenhülle für den Bienensitz schafft. In Beuten mit Holzwänden geht die Wärme aus der Außenhülle des Bienensitz‘ eher durch die Wandungen verloren, so dass sich die Bienen schon früher zusammenziehen als in den Styroporbeuten, wo sie teilweise noch länger den gesamten Beutenbereich belaufen.

Diese „Heizung“ der Bienen benötigt – wie jede andere auch – Energie. Diese wird durch das eingelagerte Futter in Form von Zuckern geliefert und durch die Eigenbewegung der Bienen in Wärme umgewandelt. Daraus lässt sich folgern, dass eine ausreichende Futtermenge zwingende Voraussetzung für die Überwinterung der Bienen ist. Eine weitere wichtige Voraussetzung ist, dass das eingelagerte Futter einen ausreichend hohen Anteil an Fruchtzucker enthält. Dieser ist auch bei niedrigen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt noch (zäh-)flüssig, während stark Traubenzucker-haltiges Futter bei niedrigeren Temperaturen auskristallisiert. Solch festes Futter können die Bienen nur durch Wasserzusatz wieder auflösen, was im Winter so gut wie gar nicht möglich ist.

Was bedroht unsere Bienen ?

In den Medien wird viel über die Bedrohung der Honigbienen berichtet. Vieles ist begründet, anderes ist abgeschrieben und nur schlecht recherchiert. Nachfolgend eine kurze Betrachtung der Einflussfaktoren, die heute in Deutschland den Honigbienen das Leben und Überleben schwer machen.

  • Landschaft und Nahrungsangebot

Die moderne Kulturlandschaft Deutschlands (und anderen europäischen Ländern) hat sich mittlerweile stark ausgebreitet. Es gibt nur noch wenige dünn besiedelte Gebiete mit Brachflächen bzw. Naturschutzgebieten oder sog. nachhaltig ausgerichteten Anbaumethoden. Die deutschen Erzeuger stehen in Konkurrenz, insbesondere mit Importgütern aus dem Ausland, die teilweise kostengünstiger bereitgestellt werden können.

Weiterhin sind große Monokulturen anzutreffen (z.B. Rapsfelder, Maisfelder, Obstplantagen usw.), die einerseits die Vielfalt von Blüten und damit ein zeitlich gestaffeltes Nahrungsangebot verhindern. Es kommt somit zu Hungerphasen, z.B. nach der Rapsblüte, welche die Bienen nur mühsam kompensieren können. Der Imker versucht dem entgegenzuwirken, in dem ein Teil des gesammelten Honigs den Völkern zur Überbrückung solcher Mangelperioden belassen wird.

Ideal sind Landschaften, die Blütenpflanzen beherbergen, welche nacheinander aufblühen und somit ein dauerndes Nahrungsangebot bieten. Man nennt dies ein „Trachtband“, das im besten Fall von der Weide, den Krokussen im Frühling bis zu Spätblühern im September / Oktober wie Efeu reicht. Dies ist jedoch nur noch in wenigen Fällen anzutreffen.

Interessanterweise werden Stadtlandschaften attkraktiver, da einerseits ein vielfältiges Angebot von Blühpflanzen in Gärten, Parks und Alleen existiert, andererseits keine wesentliche Schädlingsbekämpfungsmittel (s.u.) angewendet werden. Daraus entwickelte sich die neuerlich aufkommende Stadtimkerei.

  • Schadstoffbelastung

Bienen sammeln Nektar aus den Blüten und von Blättern (Honigtau). Sind diese mit Schädlingsbekämpfungsmitteln benetzt, werden sie von den Bienen aufgenommen. Die derz. im Einsatz befindlichen Neonicotinoide sind chemisch Abkömmlinge des Nikotins, einem Stoff, der auf das Nervensystem wirkt. Bei den Bienen führt dies zu Orientierungsstörungen, so dass sie teilweise nicht mehr in den heimischen Stock zurückfinden und verenden. Weiterhin kann es zu Symptomen wie Zittern (Krämpfe) und bisher unabsehbaren Langzeitbelastungen kommen, welche die Bienen nachhaltig schädigen. Die Völker sind in ihrer Resilienz (der Fähigkeit sich zu erholen) erheblich gestört, überleben dann eine gewisse Zeit noch, werden später aber durch andere Stressoren vernichtet.

  • Witterung und Klima

Honigbienen sind in der Lage, sehr flexibel auf Wetteränderungen zu reagieren. Sie haben in ihrer jahrmillionen dauernden Evolution schon sehr viele Extremzustände gemeistert. So können sie in geeigneten Behausungen (Höhlen jeglicher Art, inklusiv der sog. Bienenbeuten, d.s. die Kästen der Imker) zweistellige Minusgrade längere Zeit überstehen. Ebenso besitzen sie Maßnahmen, in heißen Sommern ihre Behausung mittels Wasserverdunstung und Luftbewegung zu kühlen.

Jedoch sind die aktuellen klimatischen Veränderungen in Verbindung mit anderen negativen Einflüssen eine große Herausforderung für die Bienen. Relativ warme Winterperioden mit dauerhaften Temperaturen zwischen 0 und 10 ºC führen zu einem dauerhaften Brutgeschäft. Die Auswirkung dessen, insbesondere bei Anwesenheit von Varroamilben im Volk (s.u.), führt zu Effekten, die neu für die Bienen sind und deren Überleben bedrohen können. Dagegen sind kalte Winterperioden vorteilhaft, da sich die Völker damit in die sog. Winterruhe begeben, eine natürliche Erholungsphase.

  • Parasiten

Aktuell bedroht die Varroamilbe (Varroa destructor) die westliche Honigbiene schlechthin. Aufgrund von verschiedenen Bienenvolktransporten aus dem ursprünglichen Gebiet in Südostasien, hat dieser Parasit in den 1970er Jahren Verbreitung nach Europa und anderen Ländern der Welt gefunden. Im Ursprungsgebiet befiel diese Milbe überwiegend männliche Bienenbrut (Drohnenbrut), bei der westlichen Honigbiene jedoch auch die weibliche Brut. Dies hat zur Folge, dass einerseits geschwächte Bienen schlüpfen, andererseits Infektionen übertragen werden, welche die  Bienen zusätzlich schwächen.

 

Die westlichen Honigbienen (Apis mellifera)

… sind eine faszinierende Spezies – aufgrund einer über Jahrmillionenen entwickelten inneren Organisation der Bienenvölker. Sie ist das einizige Tier, welches fähig ist, ihre notwendigen Lebensgrundlagen „aus sich selbst heraus“ verfügbar zu machen, abgesehen von einer äußeren Schutzbehausung (Baum- oder andere Höhlen).

Honigbienen leben in sog. Kolonien von ca. 5000 bis 50.000 Individuen – je nach Jahreszeit. Ein gesundes Volk hat i.d.R. eine einzige begattete Königin, die für Nachkommen sorgt. Der Hauptteil der Population besteht aus sog. Arbeiterinnen, die physiologisch einer Königin ähneln, jedoch keine voll funktionsfähigen Geschlechtsorgane besitzen. Sie halten die Entwicklung des Volkes aufrecht, ernähren und wärmen die Brut, sorgen für den Aufbau von Waben, sammeln Vorräte und betreuen die beiden geschlechtlichen Teile des Volkes – die Königin und die männlichen Drohnen. Letztere entstehen erst unter sehr reichhaltigen Umweltbedingungen, z.B. von April bis Juli aus unbefruchteten Eiern der Königin. Arbeiterinnen entwickeln sich aus befruchteten Eiern der Königin (s.u. Genetik).

Die „Wohnung“

Bienen erzeugen Bienwachs in den sog. Wachsdrüsen auf der Unterseite ihres Hinterleibs und bauen daraus – je nach Bedarf – die bekannte Wabenstruktur auf. Diese bildet einerseits „Heimat und Wohnung“ der Bienen, andererseits die Brutstätte für die Nachkommen und schlussendlich Lagerraum für die notwendige Vorratshaltung. Neben diesen Grundfunktionen hat die Wabenstruktur noch weitere Funktionen, die bis heute Gegenstand von Wissenschaft und Foschung sind.

Entwicklung im Jahreslauf

Nach der Sommersonnenwende Ende Juni beginnt bei den Honigbienen die Vorbereitung auf den kommenden Winter. Die Tage werden zuerst unmerklich, im Verlauf des Julis aber schon merklich kürzer und bewirken somit eine Veränderung im Verhalten des Bienenvolks: Die Brutanlage wird sukzessive vermindert und die gesammelten Vorräte werden zunehmend zentral um das schrumpfende Brutnest (s.u.) eingelagert.

Um diese Zeit ist es wichtig, dass die Brut optimal versorgt wird; denn es entwickeln sich im August bis Oktober die sog. Winterbienen. Sie bringen das Volk über den Winter und versorgen im frühen Frühjahr die erste Brut. Das Brutgeschäft wird i.d.R. bei den Bienen im Herbst (Ende Oktober bis November) eingestellt. Das Volk ist dann brutfrei und ernährt sich von den eingelagerten Vorräten. Winterbienen leben etwa von September bis April des Folgejahres.

Im Spätwinter (Jan. bis März, je nach Region) aktivieren die Bienen ihre Königin mittels besonders eiweißreicher Fütterung und diese beginnt mit der Eilage. Sie legt ein kleines (Handteller großes) Brutnest an. Die Architektur des Brutnests folgt dem Prinzip der optimierten Wärmehaltung; denn die Brut muss permanent auf gut 35 °C geheizt werden, um sich zu entwickeln. Das führt zu einer elliptischen bis kugeligen Anordnung der Brut über mehrere Waben. Das spart den Energieumsatz und damit Futter.

Mit zunehmender Tageslänge und steigenden Tagestemperaturen im Frühjahr wird das Brutnest erweitert, d.h., es ordnet sich auf immer mehr Waben an – nach dem o.g. Prinzip. Dabei legt die Königin ihre Eier in sog. konzentrischen Kreisen an – von innen nach außen, von einer Wabe zur anderen. Die Waben werden somit „räumlich gefüllt“, d.h., es wird nicht eine Wabenfläche vollständig mit Brut belegt und dann die nächste Wabe bestückt, sondern die Königin legt ihr Brutnest auf mehreren Wabenvorder- und -rückseiten gleichzeitig an, so dass die elliptisch/kugelige Architektur beibehalten wird.

Zur Weidenblüte besitzt ein Bienenvolk i.d.R. eine ausreichende Population von 5.000 – 10.000 Bienen. Darunter sorgen Sammelbienen für die erste Eigenversorgung mit Pollen und Nektar.

Die Größe eines Bienenvolkes hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab – vom Nahrungsangebot (Pollen und Nektar) und damit indirekt vom Wetter und von der Legeleistung der jeweiligen Königin. Mit der Aufwärtsentwicklung des Nahrungsangebots (der „Tracht“) wächst das Bienenvolk stetig weiter. Ende April bis Mai befinden sich im Volk etwa 40.000 Individuen und es beginnt die sog. Schwarmzeit.  Das Schwärmen dient u.a. der Vermehrung und ist ein komplexer Prozess im gesamten Bienenvolk. Voraussetzung ist, dass neue Königinnen herangezogen wurden, um dem Volk die weitere Existenz zu sichern.

Frühjahrshonig

Die erste Honigernte erfolgt i.d.R. nach der Rapsblüte. Dazu werden die aufgesetzten Honigräume von den Bienen befreit und abgenommen. Wenn der Honig ausreichend getrocknet wurde, verdeckeln die Bienen die Honigwaben, um das kostbare Gut haltbar zu machen. Diese Wachsdeckel müssen vor dem Schleudern entfernt werden, damit der Honig aus den Waben fließen kann. Der Honig wird über Siebe von Wachspartikeln gereinigt, nach Tagen abgeschäumt (Entfernung von Luft, kleinen Wachspartikeln) und zur Kristallisation gerührt, bis er cremig ist. Danach erfolgt die Abfüllung in Verkaufsgebinde.

Sommerhonig

Entleerte Waben werden den Völkern zur Reparatur und erneuter Füllung mit Sommerhonig zurückgegeben. Im Plöner Seengebiet ist nach der Rapsblüte jedoch erst einmal eine sog. Trachtlücke, d.h., es sind nur noch spärlich Blüten zu finden. Wenn die Linde Ende Juni blüht, ändert sich das schlagartig – die Bienen beginnen begierig erneut zu sammeln.

Honigtau- oder Blatthonig

Einerseits gibt es Pflanzen, die Nektar auch neben den Blüten ausscheiden – sog. extraflorale Nektarien besitzen, wie die Linden. Jeder kennt die klebrigen Tropfen, die sich unterhalb von Linden zum Ärger so mancher Autobesitzer finden. Andererseits werden bei vielen Bäumen durch bestimmte Läusearten, die auf den jungen Zweigen sitzen, sog. Honigtau erzeugt. Dazu stechen die Läuse die Leitgefäße der Pflanzen an, in denen kohlehydrathaltiger Saft in die Wurzeln geleitet wird. Daraus erzeugen sie eine zuckerhaltige Flüssigkeit, den Honigtau. Dieser wird von den Bienen gesammelt und zu Honig verarbeitet.

In Schleswig-Holstein ist dieser Honig eine Seltenheit; denn die Witterung mit wechselnden Regenschauern lässt die Läusekolonien nur selten gedeihen.

Spätsommer

Nach der Honigernte im Juli ist das Bienenjahr im Plöner Seengebiet zu Ende und der Zyklus beginnt von neuem. Wichtig für das Überleben der Bienen ist eine geeignete Behandlung nach der letzten Honigernte gegen den Parasiten Varroa constrictor, einer Milbe, welche die Bienen, insbesondere die Brut, befällt. Die Varroa Milbe schwächt Brut und Bienen und überträgt virale Infektionen, welche bei Nicht-Behandlung das Volk soweit schwächen, dass es meist im Herbst / Winter verendet. Ein milbenarmes Volk geht mit starken Winterbienen in den Winter und kann Frosttemperaturen ohne Probleme überleben.